Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne
„Kommt, wir bauen das neue Europa!“

Teure Kohle – Studie zu Gesundheitskosten der Kohlestromnutzung erschienen

4050396451_dd17473433Dass das Märchen der billigen Kohle der Vergangenheit angehört, ist vielen Experten schon lange klar: In den vergangenen Wochen hat die europäische Umwelt- und Gesundheitsorganisation HEAL hierzu eine neue Studie zu den gesundheitlichen Kosten der Nutzung von Kohlestrom veröffentlicht. Unter dem Titel: „Was Kohle wirklich kostet“ werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung und zum Beitrag der Kohle an der Verschmutzung zusammengetragen. Hieraus werden die gesundheitlichen Kosten errechnet, die in Europa durch die Kohlenutzung entstehen.

Das Ergebnis klingt erschreckend: Laut der Studie sterben jährlich 18.200 Menschen in Europa, davon 2.700 in Deutschland, vorzeitig durch Folgeerkrankungen wie Asthma, Herz-Kreislauf-, Gefäß- und Lungenerkrankungen. Neben den vorzeitigen Todesfällen leidet eine Vielzahl an Menschen an chronischen wie akuten Symptomen, hervorgerufen durch den Schadstoffausstoß von Kohle.

Aus den entstehenden Verdienstausfällen und direkten wie indirekten Gesundheitskosten haben die Autoren der Studie den gesundheitlichen Preis der Kohle errechnet: Bis zu 42,8 Milliarden Euro fielen demnach in Europa und 6,4 Milliarden in Deutschland an.

Pro Kilowattstunde würde sich die Kohle in Deutschland somit um 2,6 Cent verteuern, wobei hier nur die errechneten, gesundheitlichen Kosten einfließen. Dieser Wert kann als konservative Schätzung betrachtet werden, da gesundheitliche Schäden durch Emissionen in Wasser sowie der bei Abbau, Transport und Entsorgung entstehende Schadstoffausstoß nicht berücksichtigt sind. Weiterhin entstehen auch im Gesundheitssektor Folgekosten höheren Grades, beispielsweise durch Krankenpflege und verringerte Mobilität.

Kohlekosten_Tabelle

Von den nationalen Behörden fordert die Studie neben der Abschaffung aller direkten wie indirekten Kohlesubventionen, den Ausstieg aus der Kohleverstromung; von der EU fordern die Autoren unter anderem die Berechnungen externer Kosten in klima- und energiepolitische Bewertungen einfließen zu lassen, die Förderung der Entwicklung der CCS-Technik zu streichen und bis 2020 strengere Emissionsgrenzwerte festzulegen, die mit den US-amerikanischen oder chinesischen Standards vergleichbar sind.

Die Studie unterstreicht die Erkenntnisse, die bereits Anfang April Greenpeace veröffentlicht hatte: Kohle schädigt Mensch und Umwelt. Der Bericht von Greenpeace hatte die Zahl der Toten in Deutschland auf 3.000 geschätzt und eine Top-Ten-Liste der schmutzigsten Kraftwerke in Deutschland veröffentlicht.

Auch vor dem Hintergrund der Mitte April im EU-Parlament abgelehnten Vorschläge zur Änderung des Emissionshandels ist diese Studie von Interesse. Der Emissionshandel soll ein Mittel darstellen, zumindest einen Teil der gesellschaftlichen Kosten zu internalisieren.

Informationen zu HEAL und Verweise auf die Studien gibt’s hier.

 

 

Rubrik: Wirtschaft & Währung

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