Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne
„Kommt, wir bauen das neue Europa!“

Europäische Hit-Liste der Steueroasen: Deutsche Bank – Europameister der Steueroasen-Konzerne

Die EU-Kommission schätzt den Betrag an Steuern, die der EU durch Steuervermeidung und -hinterziehung jährlich verloren gehen, auf rund eine Billion. In Entwicklungsländern sieht es ähnlich aus. Nachdem in den vergangenen Wochen viel über die Steuervermeidungsstrategien amerikanischer Großunternehmen diskutiert wurde, ist nun eine Studie erschienen, die die Steuerpraktiken der 50 größten europäischen Firmen unter die Lupe nimmt. Die Deutsche Bank geht bei dem fragwürdigen Ranking als Sieger hervor. Hier wird das Vorgehen dieser Unternehmen beleuchtet, ihre Favoriten in Sachen Steueroasen aufgelistet und eine Hit-Liste erstellt, welche Unternehmen die meisten Niederlassungen in Steueroasen unterhalten. Der Bericht wurde gemeinsam von den französischen Nichtregierungsorganisationen CCFD-Terre Solidaire und dem revue-projet.com erstellt und ist ein Update einer Studie aus dem Jahr 2010, die unter Mitarbeit von ActionAid, CRGM, Eurodad, Glopolis und Weed erarbeitet wurde.

Wo sitzen die Steueroasen-Töchter der 50 größten EU-Konzerne?

Die Zahl gibt an, wie viele Offshore-Filialen der betrachteten Unternehmen in der jeweiliegen Steueroase ansässig sind. Farblich wird zwischen verschiedenen Arten von Steueroasen unterschieden: Je dunkler, desto höher der Grad der Intransparenz. Diese Einschätzung orientiert sich am Schattenfinanzindex vom Tax Justice Network. Die Pfeile zeigen an, ob sich die Zahl der ansässigen Offshore-Filialen zwischen 2009 und 2012 erhöht oder gesenkt hat. Unten sind alle betrachteten Unternehmen aufgelistet.

Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die 50 größten Europäischen Unternehmen im Schnitt jeweils 117 Tochterfirmen in Steueroasen betreiben. Das entspricht zahlenmäßig knapp einem Drittel der im Ausland betriebenen Filialen. Insgesamt beläuft sich die Zahl der durch diese Unternehmen betriebenen Offshore-Gesellschaften auf 5.848, wobei der wahre Umfang weit höher liegen dürfte. Denn nur 60% der Unternehmen geben vollständige Listen über ihre Offshore-Filialen heraus.

Insbesondere Banken und Versicherungen tun sich besonders durch einen großen Anteil an Niederlassungen in Steueroasen hervor. Sie betreiben unter diesen 50 Unternehmen im Schnitt rund 35 Prozent bzw. 36 Prozent ihrer Auslandsniederlassungen offshore. Im Vergleich liegt der Anteil bei den betrachteten Energie- und Automobilkonzernen bei rund 22 Prozent. Als Gewinner dieses zweifelhaften Wettbewerbs gehen die Britische Bank Lloyds mit 59 Prozent und die Deutsche Bank mit 57 Prozent hervor.

Bemerkt sei zudem, dass nicht ein einziges der betrachteten 50 Unternehmen nicht in Steueroasen vertreten ist.

Hinsichtlich der Länder wird die Hit-Liste der Oasen angeführt von den Niederlanden, Delaware (USA) und Luxemburg, das in den vergangenen Jahren seine Attraktivität als Steuerparadies steigern konnte. Auch Irland und die Kaiman Inseln finden sich unter den Top-Five. Deutlich wurde hierbei, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs durchaus die Möglichkeit haben zu handeln: 63% der von den besagten 50 Unternehmen betriebenen Offshore-Gesellschaften sind in europäischen Ländern angesiedelt. Ausreden zählen nicht: Den vollmundigen Bekenntnissen der europäischen Staatschefs müssen endlich Taten folgen.

Wer sind die 50 Unternehmen und wie schneiden sie ab?

In der ersten Spalte wird angezeigt, ob das Unternehmen vollständige Listen seiner ausländischen Tochterfirmen veröffentlicht. Die zweite Spalte gibt die Zahl der Filialen in Steueroasen an. Die dritte Spalte zeigt, welchen Anteil diese Offshore-Filialen unter der Gesamtzahl der Auslandsniederlassungen einnehmen.

Die Studie ist bisher leider nur auf Französisch verfügbar, eine englische Übersetzung ist aber in Arbeit.

Rubrik: Wirtschaft & Währung

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