Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Geschlechterbalance in Aufsichtsräten und Vorständen: meine Änderungsanträge im ECON

Im Europäischen Parlament wird derzeit der Richtlinienvorschlag von Justizkommissarin Viviane Reding zur “Gewährleistung einer ausgewogenen Vertretung von Frauen und Männern in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen” diskutiert.

Der Wirtschafts- und Währungsausschuss wird dazu eine Stellungnahme abgeben. Zum Entwurf meines ALDE-Kollege Olle Schmidt, der eine Art Flexiquote ohne jegliche Sanktionen fordert, habe ich folgende Änderungsanträge eingereicht:

Änderungsanträge Giegold

Der Richtlinienvorschlag von Kommissarin Reding ist ein Schritt in die richtige Richtung, um endlich ein ausgewogeneres Verhältnis von Männern und Frauen in den Aufsichtsräten zu erreichen. Es gibt mittlerweile genügend Studien, die zeigen, dass ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis positive Auswirkungen auf Image und Wirtschaftsleistung von Unternehmen hat.

Der Kommissionsvorschlag ist sehr unternehmensfreundlich. Er betrifft lediglich börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten. Die Ausgestaltung der Sanktionen wird in die Hände der Mitgliedstaaten gelegt. Außerdem ist das 40%-Ziel nicht verbindlich. Mit unseren Änderungsanträgen wollen wir erreichen, dass die Regelungen nicht nur für Aufsichtsräte sondern auch für Vorstände gelten und dass der Auswahl-/Bewerbungsprozess transparenter wird.

Aus den Mitgliedsstaaten, allen voran mal wieder Deutschland, kommt teils heftiger Widerstand gegen den Kommissionsvorschlag. Allerdings sind Gründe wie schädliche Auswirkungen auf die Wirtschaft klar zurückzuweisen, da die Unternehmen nicht in ihrem Tagesgeschäft beeinflusst werden, sondern lediglich bei der Auswahl ihrer Aufsichtsräte transparenter werden sollen und bei gleicher Eignung von männlichen und weiblichen Kandidaten dem “unterrepräsentierten Geschlecht” den Vorrang geben sollen. Und selbst dann haben die Unternehmen noch die Möglichkeit, unter Angabe bestimmter Gründe doch den anderen Bewerber zu bevorzugen. Der Widerstand von Bundeskanzlerin Merkel ist daher völlig unverständlich.

 

 

Rubrik: Wirtschaft & Währung

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