Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne
„Kommt, wir bauen das neue Europa!“

Ins lebenswerte und grüne Ruhrtal

Alle Fotos der Wanderung finden sich: Hier

Meine zweite Tour als Wandergrüner Sven führte mich am Freitag, den 14.08. ins Märkische Sauerland. Die Tour startete an einem großen Windrand in Menden-Oesbern.

Ingrid Ketzschap mit Megafon vor Windrad
Ingrid Ketzscher von den Mendener Grünen mit Megafon vor Windrad

Die gleich zu Anfang verteilten leckeren Äpfel aus dem Garten einer Mitwanderin und das herrliche Wetter sorgten von Anfang an für gute Stimmung – gemeinsam mit ca. 40 Menschen aus der Region zogen wir also in bester Laune los. image015_kl

Mit uns wanderten Grüne aus Menden, Iserlohn und Wickede, Aktive der Gruppeninitiative gegen den Autobahnbau GigA, der Wimberner Interessengemeinschaft gegen die A46, AnwohnerInnen und weitere Interessierte. Dazu einige Hunde und ein paar vergnügte Kids, eine schön bunte Truppe. Die grüne Bundestagskandidatin für den Märkischen Kreis Elke Olbrich-Tripp war ebenfalls mit von der Partie.

Die Landschaft auf der Route ist ein echter Geheimtipp. Mich hat erstaunt, wie wenig das Gebiet bisher für Tourismus erschlossen ist. Laub- und Nadelwälder, Wiesen, Felder, kleinteilige bäuerliche Landwirtschaft, sanfte Hügellandschaft, wunderschöne Dörfer und kleine Bachtäler – die Gegend ist sehr abwechslungsreich und landschaftlich attraktiv. image023_kl

All ist nun von einer unsinnigen Autobahn bedroht. Seit nunmehr 40 Jahren steht der “Lückenschluss” der A 46 im Bundesverkehrswegeplan auf der höchsten Dringlichkeitsstufe. Und seit 40 Jahren lebt die Region gut ohne diese Autobahn.  Alle zur Zeit diskutierten Trassen laufen durch europäisch geschützte FFH-Gebiete. Dort leben z.B. europaweit prioritäre Arten wie Schwarzstorch, Wachtelkönig, Eisvogel und Grauspecht.

Vor Ort werden die geplanten Autbahnrouten überprüft
Vor Ort werden die geplanten Autbahnrouten überprüft

Aber auch außerhalb der FFH-Gebiete würde die Trasse zum Beispiel die jetztige landwirtschaftliche Nutzung einschränken – die Autobahn würde das Aus für mehrere bäuerliche Betriebe bedeuten. Statt Arbeitsplätze zu schaffen, würde das Entwicklungspotential für diesen Teil des Ruhrtals als Gebiet für naturnahe Erholung und Landwirtschaft dauerhaft zerstört. Zudem wären die 19 km Lückenschluss mit ca. 400 – 500 Mio. EUR eines der teuersten Stücke Straße der ganzen Republik. Ein ökologischer und ökonomischer Irrsinn, den es zu verhindern gilt.image042_kl

Am Nachmittag widmeten wir uns dann in Menden selbst noch einmal der geplanten Autobahntrasse. Hier soll den BürgerInnen mit einer Untertunnelung das Projekt schmackhaft gemacht werden.

Mit Claudia Mölle, Sprecherin der GigA, beim Ortstermin in Menden
Mit Claudia Mölle, Sprecherin der GigA, beim Ortstermin in Menden

Bizarr: Unter einem Industriegebiet soll ein Tunnel gebaut werden, im FFH-Schutzgebiet und bei der nahen Wohnsiedlung hingegen eine brutale Schneise incl. Brücken, Dämmen und Troglösungen. Gemeinsam mit Mendener AnwohnerInnen und der grünen Landratskandidaten Renate Oehmer gingen wir dann die Route des geplanten Tunnels ab und machten uns vor allem vom Ort des geplanten Tunnelaustritts ein Bild. Die AnwohnerInnen lehnen die Autobahn ab. Sie wollen weiter die Ruhe und den Wald genießen, statt vor eine Betonschneise zu laufen. In direkter Nachbarschaft liegt das Naturschutzzentrum Arche Noah. Wie in Zukunft direkt neben einer Autobahn dort die wertvolle natur-pädagogische Arbeit fortgesetzt werden kann, sollte sich NRW-Umweltminister Uhlenberg fragen, der das Zentrum noch vor kurzem besucht und seine Arbeit hoch gelobt hat. image126_kl1

Beim abschließenden Grillpicknick am „Hexenteich“ mit 70 TeilnehmerInnen gab es noch einige kämpferische Reden und viele interessante Gespräche. Wichtig war mir klarzumachen, dass der Kampf gegen diese Autobahn nicht von Brüssel aus geführt werden kann. Ohne aktiven Widerstand in der Region geht es nicht. Gerade das starke Interesse der Lokalpresse am Thema ist eine gute Basis. CDU, SPD, FDP werden im Kommunal-, Bundestags- und Landtagswahlkampf noch viel Gelegenheit haben den Mendener BürgerInnen zu erklären, warum sie den Autobahnbau unterstützen.

Abschluss-Picknick am "Hexenteich"
Abschluss-Picknick am "Hexenteich"

Der rundum gelungene Tag und das große Engagement der Aktiven vor Ort lässt mich aber hoffen, dass dieses wunderbare Stück Natur doch noch vor den Betonfetischisten gerettet werden kann. Deutlich wurde wieder einmal, dass es nicht um Natur versus Wirtschaft geht, sondern um zwei verschiedene ökonomische Entwicklungswege. Nutzung der örtlichen Ressourcen für Tourismus, ökologische Landwirtschaft, Lebensqualität auf der einen Seite versus Straßenbau und die vage Hoffnung auf zusätzliche Ansiedlungen auf der anderen Seite. Für mich heißt das: Dranbleiben! Die Grüne Fraktion im Europaparlament wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Straßengüterverkehr endlich die vollen Kosten trägt, die er verursacht. Dann hören auch die Verstopfungen auf den bestehenden Autobahnen auf und die wichtigste Rechtfertigung für immer neue Straßen wäre verschwunden. Das wäre nicht nur ein Segen für die Natur, sondern für alle BürgerInnen. Denn das Geld der SteuerzahlerInnen brauchen wir dringend für Investitionen in die Bildung und den ökologischen Umbau.

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Der Wandergrüne Sven.

Alle Fotos der Wanderung finden sich: Hier