Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Pressespiegel: Exzessive Fondsgebühren & Boni für Fondmanager

Berliner Zeitung, 4.7.2013

Fonds wehren Gebührengrenze ab

EU Parlament sagt Nein

Der Vorstoß für eine Begrenzung von erfolgsabhängigen Gebühren für Investmentfonds ist gescheitert. Das Europarlament lehnte am Mittwoch in Straßburg mit Stimmen von liberalen und konservativen Abgeordneten mehrheitlich entsprechende Regulierungsvorschläge ab. Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sprach von einem “schwarzen Tag für den Anlegerschutz in Europa”. Die Investmentfondslobby habe sich durchgesetzt.

Seit einigen Jahren haben besonders in Deutschland Investmentfonds Gebühren durchgesetzt, die ihnen besondere Leistungen honorieren sollen (performance fees). Nach Ansicht von Verbraucherschützern schmälern diese Modelle die Rendite der Anleger, weil sie auch solche Gesellschaften belohnen, die nur kurzfristig erfolgreich gewirtschaftet haben. Im Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments hatte sich daher eine Mehrheit der Abgeordneten dafür ausgesprochen, diese performance fees nur unter strengen Auflagen zu erlauben, um den Missbrauch einzudämmen. Damit hätten EU-weit ähnliche Regeln gegolten, wie sie die deutsche Finanzaufsicht BaFin für in Deutschland aufgelegte Fonds aufgestellt hat. Dies führte aber bisher dazu, dass die Fonds von Luxemburg aus gesteuert und in Deutschland nur vertrieben werden. Diese Lücke sollte die EU-weite Regulierung schließen. Der deutsche Branchenverband BVI hatte allerdings davor gewarnt, den Spielraum der Firmen bei der Gebührengestaltung zu stark zu beschränken.

Ebenfalls keine Mehrheit fand im Europaparlament eine Begrenzung der Boni für Fondsmanager. Die spielen in der Branche freilich ohnehin eine deutlich geringere Rolle als etwa bei Banken.

 

taz, 4.7.2013

taz boni

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Handelsblatt, 4.7.2013

EU bei Fonds für moderate Boni-Regeln

BRÜSSEL. Das Europäische Parlament ist vor einer strengen Begrenzung von Bonuszahlungen an Fondsmanager zurückgeschreckt. Die Sonderzahlungen sollen nicht so wie bei Banken maximal auf das Zweifache des Grundgehalts begrenzt werden, beschlossen die Abgeordneten am Mittwoch in Straßburg. Sie folgten damit nicht der Empfehlung des Wirtschaftsausschusses, die strengen Regeln für Banken auf die Fondsbranche zu übertragen. Die Anleger der Fonds mit einem Volumen von gut 6,8 Billionen Euro sollen aber durch schärfere Vorschriften für Depotbanken, die die Einlagen verwalten, besser geschützt werden.

An Vergütungsregeln will das Parlament festlegen, dass die Hälfte der Boni in Fondsanteilen und 40 Prozent erst zeitlich verzögert ausgezahlt werden. Die striktere Bonusgrenze bei den Banken soll verhindern, dass die Bankmanager zu große Risiken eingehen. Die Renditejagd war ein Grund für die 2008 ausgebrochene Finanzkrise. Der CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann erklärte, Investmentfonds seien anders als Banken nicht systemrelevant. Deshalb sei es nicht verhältnismäßig, die strikten Regeln auf sie zu übertragen.

 

Stuttgarter Zeitung, 4.7.2013

EU-Parlament deckelt Boni nicht

Das Europaparlament will die kürzlich beschlossene Deckelung von Bankerboni nicht auf Fondsmanager ausweiten. Eine Mehrheit aus konservativen und liberalen Abgeordneten sprach sich am Mittwoch in Straßburg gegen einen solchen Schritt aus. Noch im März hatte der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Parlaments eine strenge Begrenzung befürwortet. Das Plenum übernahm diese Position aber nicht. ‘Damit konterkariert das Europaparlament seinen eigenen Erfolg bei der Begrenzung von Bonizahlungen an Banker’, kritisierte der Parlamentsberichterstatter zu dem Thema, der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold. Die Richtlinie, über die das Parlament zu entscheiden hatte, ist auf den Großteil der europäischen Kleinanlegerfonds anwendbar. Sie haben ein Gesamtvolumen von fast 6300 Milliarden Euro. Die Parlamentarier unterstützten allerdings Vorschläge der EU-Kommission für einen besseren Anlegerschutz.

Die Abgeordneten appellierten auch an die EU-Regierungen, eine ehrgeizige Steuer auf Finanztransaktionen einzuführen. Diese soll 0,1 Prozent für Aktien und 0,01 Prozent für Derivate betragen. Wie der EU-Abgeordnete Werner Langen (CDU) erläuterte, befürwortet das Parlament ‘Ausnahmen für Pensionen und bestimmte Transaktionen, die den Märkten Liquidität zuführen oder zur Absicherung von Risiken der Realwirtschaft dienen’. Derzeit planen elf EU-Staaten die gemeinsame Einführung einer Finanztransaktionssteuer, unter ihnen Deutschland. epd

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.7.2013

Keine Grenzen für Erfolgsgebühren

Europaparlament gegen Auflagen für Fondsmanager

hmk. BRÜSSEL, 3. Juli. Die schärferen Regeln für Boni an Fondsmanager sind vom Tisch. Das EU-Parlament stimmte am Mittwoch in Straßburg dagegen, Bonuszahlungen für Fondsmanager zu deckeln und erfolgsabhängige Gebühren für Investmentfonds eng zu begrenzen. Die konservativen Fraktionen und die Liberalen wandten sich gegen den Vorstoß des für das Dossier zuständigen Abgeordneten Sven Giegold (Grüne). Im federführenden Wirtschaftssausschuss des Parlaments hatte sich noch eine Mehrheit dafür ausgesprochen. Giegold wollte die Boni für Fondsmanager auf das Doppelte des Fixgehalts begrenzen und damit an der Regelung für Banker ausrichten. Investmentfonds sollten nur noch dann eine Performance Fee für das Übertreffen eines Referenzindexes berechnen können, wenn im Fall des Misserfolges auch entsprechende Abschläge bei den Gebühren gegenüberstünden (F.A.Z. vom 3. Juli).

Giegold bezeichnete das Votum als schwarzen Tag für den Anlegerschutz in Europa. Das Europaparlament konterkariere damit seinen Beschluss zu den Begrenzungen der Bankerboni. Der Missbrauch von ertragsbezogenen Fondsgebühren gehe weiter. Diese undurchsichtigen Gebühren kämen oft nur den Fondsgesellschaften zugute, während sie die Rendite der Anleger schmerzhaft reduzierten. Sie schafften keinen Mehrwert und seien darum nichts anderes als Abzocke auf Kosten der Investoren.

Performance Fees stehen seit längerem in der Kritik. Verbraucherschützer werfen den Gesellschaften vor, dass sie zu schnell Erfolgsgebühren verlangten und ein schlechtes Abschneiden des Fonds keine entsprechenden Folgen habe. Allerdings hat die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin für deutsche Fonds inzwischen strikte Auflagen erlassen. Die Änderungsvorschläge sollten in die Neufassung der Richtlinie für offene Publikumsfonds einfließen, mit denen die EU auf den Betrugsskandal um den ehemaligen Nasdaq-Chef Bernhard Madoff reagiert.

 

Financial Times, 4.7.2013:

FT Boni

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.7.2013:

Belohnung für langfristige Erfolge

Das Europäische Parlament stimmt über neue Regeln für Boni an Investmentfonds-Manager ab. Ob es dafür eine Mehrheit gibt, ist ungewiss.

hmk. BRÜSSEL, 2. Juli. Sie ist die Reaktion der EU auf den Betrugsskandal um den einstigen Nasdaq-Chef Bernhard Madoff: die Neufassung der EU-Richtlinie für Investmentfonds. Die EU-Kommission reagierte auf die Ende 2008 ans Licht gekommene Affäre, indem sie eine Verschärfung der Haftungsregeln für Depotbanken vorschlug. Wenn an diesem Mittwoch das Europaparlament über die neue Regeln abstimmt, werden jedoch zwei ganz andere Dinge im Vordergrund stehen. Denn der federführend für das Dossier zuständige Europaabgeordnete Sven Giegold (Grüne) will die Neufassung dazu nutzen, nach den Bankerboni auch die Boni für die Manager von Investmentfonds zu deckeln, und gegen Auswüchse bei Zahlungen von leistungsbezogenen Honoraren vorgehen. Die Boni will Giegold wie bei den Bankern auf das Doppelte des Fixgehalts begrenzen. Das soll auch verhindern, dass die Vorgaben für die Banken umgangen werden können. Auf große Resonanz stieß dieser Vorstoß hierzulande nicht, weil es in der deutschen Fondsbranche keine exzessiven Bonusmodelle wie in London gibt. Anders sieht das bei den leistungsbezogenen Honoraren (der Performance Fee) aus. Zahlen müssen die Kunden diese, wenn der Fonds sich selbst gesteckte Ziele übertrifft.

In der Regel geht es darum, einen bestimmten Index zu schlagen. Immer mehr Fondsgesellschaften haben solche Honorare in den vergangenen Jahren zusätzlich zu Gebühren wie Ausgabeaufschlägen oder Verwaltungsgebühren eingeführt. Das motiviere die Manager zu besseren Leistungen, argumentieren sie. Tatsächlich belegen Studien, dass Investmentfonds mit erfolgsabhängiger Vergütung gar nicht besser als andere Investmentfonds abschneiden. Das eigentliche Problem ist nach Ansicht von Verbraucherschützern, dass die Gesellschaften die Ziele oft so niedrig setzen, dass sie leicht erreicht werden können, und selbst dann schon Geld fließt, wenn das Ziel nur kurzfristig übertroffen wird. Vor allem aber muss der Kunde zwar im Erfolgsfall zahlen, wird aber nicht im Falle des Misserfolgs entschädigt. Genau das will Giegold ändern: Ein Erfolgsbonus soll nur noch erlaubt sein, wenn der Vergleichsindex im Zeitraum von mindestens einem Jahr übertroffen wurde und wenn dem Bonus auch ein entsprechender Malus gegenübersteht. In Amerika gibt es solche Vorgaben schon. Die Konsequenz: Es gibt nur noch wenige Fonds mit einer Performance Fee.

Ob sich Giegold durchsetzt, ist offen. Die Vertreter der Investmentfonds, wie der deutsche Fondsverband BVI, haben Abgeordnete der konservativen Fraktionen EVP und ECR sowie der Liberalen Fraktion überzeugt, gegen den Vorstoß zu stimmen. Setzen sie sich durch, droht in der EU ein Flickenteppich verschiedener Regeln. Die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin etwa schreibt für alle in Deutschland aufgelegten Fonds seit dem 1. Juli schon eine gewisse Symmetrie bei der Performance Fee vor. Die Fondsgesellschaften dürfen seither keine Sondervergütungen für gute Monate oder Quartale mehr beziehen, sondern nur für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr. Zudem muss ein schlechteres Abschneiden als der Vergleichsindex über einen Zeitraum von fünf Jahren auf die Performance Fee angerechnet werden.

In anderen Ländern, so etwa in Luxemburg, gibt es solche Vorgaben nicht. Die Fondsgesellschaften könnten die Bafin-Regeln also umgehen, indem sie ihre Fonds in Luxemburg auflegen. Verkaufen könnten sie die Fonds anschließend dennoch in der gesamten EU. Selbst wenn die Änderungsanträge von der Mehrheit des Europäischen Parlaments abgelehnt werden, ist die Beschränkung der Performance Fee noch nicht in trockenen Tüchern. Denn neben dem Parlament muss auch der Ministerrat den neuen Regeln zustimmen. Die Staaten aber haben sich bisher nicht auf eine Linie festgelegt.

 

Handelsblatt, 2.7.2013:

Streit über Boni für Fondsmanager
Konservative EU-Parlamentarier wollen keine Deckelung der Leistungsprämie.

Ruth Berschens, Brüssel. Die Erfolgsprämien für Fondsmanager sorgen für Streit im Europaparlament.
Eigentlich wollten die Straßburger Abgeordneten wieder einmal sagen: Deckel drauf. Die Leistungsprämien für Banker hatten sie bereits begrenzt und wollten dasselbe nun auch bei den Investmentfonds-Managern erreichen. Über einen entsprechenden Änderungsantrag zur EU-Richtlinie für offene Publikumsfonds (OGAW) stimmt das Plenum am heutigen Mittwoch ab – und eine klare Mehrheit dafür schien lange sicher. Erst im letzten Moment regte sich Widerstand: Abgeordnete der konservativen Europäischen Volkspartei, der rechts davon stehenden ECR und der liberalen Alde wollen das Votum für den Boni-Deckel nun doch noch verhindern. Dem umstrittenen Änderungsantrag zufolge soll die Erfolgsprämie eines Fondsmanagers künftig nicht mehr höher als das Fixgehalt sein. Die OGAW-Richtlinie gilt für die meisten von Kleinanlegern erworbenen Fonds in der EU mit einem Gesamtvolumen von fast 6 300 Milliarden Euro. Die Deckelung der Boni würde also für alle Manager dieser Fonds gelten, sofern sie politisch durchkommt. Doch das ist überhaupt nicht sicher.

Nötig dafür ist nämlich nicht nur eine Mehrheit im Europaparlament. Auch der EU-Finanzministerrat (Ecofin) muss dem Boni-Deckel zustimmen, und dort gibt es erhebliche Vorbehalte. Der britische Schatzkanzler George Osborne wird sich mit großer Sicherheit gegen die Obergrenze bei den Leistungsprämien aussprechen. Widerstand könnte auch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kommen. Gemeinsam können die beiden Minister die Novelle der OGAW-Richtlinie wahrscheinlich lange blockieren.

Der betroffenen Branche dürfte das recht sein – vor allem in Großbritannien. Dort können die Erfolgsprämien der Fondsmanager durchaus zwei- bis dreimal so hoch sein wie das Festgehalt. In Deutschland ist das anders. Die variablen Prämien betragen hierzulande um die 40 Prozent des Fixgehalts und liegen damit weit unter dem geplanten gesetzlichen EU-Grenzwert. Deutsche Fondsmanager sind also eigentlich gar nicht betroffen. Trotzdem wehren auch sie sich gegen die gesetzliche Kappung. Die Diskussion um Bonusbegrenzungen von Fondsmanagern sei sachfremd, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Verbands BVI.

“Bonusbegrenzungen sollen grundsätzlich verhindern, dass Manager Systemrisiken verursachen. Fondsmanager können jedoch keine solchen Risiken eingehen, denn ihre Risiken betreffen nur den jeweiligen Fonds und seine Anleger. Damit ist eine Systemrelevanz nicht gegeben”, so Richter.

Verbraucherschützer sehen das anders. “Erfolgsvergütungen für Fondsmanager setzen falsche Anreize und bedeuten oft Nachteile für Verbraucher. Sie sollten untersagt oder aber zumindest begrenzt werden”, sagt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

 

Handelsblatt online: 02.07.2013, 15:10 Uhr:

GASTBEITRAG: Vorsicht Propaganda – was uns Fonds einflüstern

von Sven Giegold

Immer noch können deutsche Banken Auflagen der BaFin umgehen und überhöhte Fondsgebühren kassieren. Dem muss das Europaparlament am Mittwoch einen Riegel vorschieben – und den Widerstand aus CDU und FDP brechen.

Deutschlands Fondsindustrie hat in den letzten Jahren eine neue Einnahmequelle entdeckt: Performance Fees – erfolgsabhängige Gebühren. An sich eine lobenswerte Innovation. Institutionelle Investoren haben diese mit ihrer Einkaufsmacht schon seit langer Zeit für sich durchgesetzt. Allerdings als Ersatz für zu hohe Fixkosten und nicht als Belohnung für kurzfristige Pseudoperformance wie dies im Publikumsbereich üblich ist.

Performance Fees sind ausgesprochen lukrativ für die Anbieter von Publikumsfonds. Studien von Stiftung Warentest sowie jüngst von der Rating Agentur Scope haben gezeigt, dass erfolgsabhängige Gebühren keineswegs zu höherem Erfolg führen. Im Gegenteil: Die Performance Fees belasten den Kunden massiv. Bei weltweit investierenden Aktienfonds zum Beispiel wurde laut Scope über die drei Jahre von 2009 bis 2011 im Durchschnitt 2,15 Prozent Performance Fee zusätzlich zu den fixen Verwaltungsgebühren aufgeschlagen. Das heißt, Kunden haben in diesem Zeitraum fast vier Prozent Gebühren pro Jahr an die Gesellschaften gezahlt!

Es ist bemerkenswert, wie ein Oligopol von vier großen Anbietern – Deutsche Bank, Commerzbank/Allianz, Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken – neue Gebühren erfindet und am Markt durchzusetzt, die komplett zu Lasten der Kunden gehen und pro Jahr mehrere Hundert Millionen Euro zusätzliche Gewinne in ihre Kassen spülen, ohne mit dem Kartellrecht in Konflikt zu kommen.
Seit dem 1. Juli 2013 müssen Fondsgesellschaften ihre Gebührenstruktur von der BaFin genehmigen lassen. Dies wird einigen Wildwuchs eindämmen. Insbesondere wurde ein erster Schritt in Richtung Anleger gemacht, indem ein Performance Gedächtnis eingeführt wurde. Wenn ein Fonds eine Underperformance erwirtschaftet hat, darf der Fonds so lange keine Performance Fee bezahlen, bis die Underperformance aufgeholt wurde. Diese Regel gilt für fünf Jahre, danach wird das Gedächtnis gelöscht.

Diese Regelung ist zwar besser als die momentane Praxis aber sie springt immer noch zu kurz. Zum einen kann ein Fonds, der über eine Anlageperiode von fünf bis sieben Jahren eine extrem schlechte Performance hat immer noch , eine hohe Performance Fee kassieren, wenn er z.B. durch eine besonders riskante Anlagestrategie ein glückliches Jahr hatte. Außerdem können die deutschen Anbieter problemlos in Zukunft ihre Luxemburger Fonds vertreiben. Der Kunde kauft z.B. bei seiner örtlichen Sparkasse einen Fonds mit Sparkassen Logo, der über eine Luxemburger Holding in deutsche Aktien investiert. Kein Kunde wird verstehen, dass dieser deka Fonds nicht von der BaFin reguliert ist.

Regulierung auf europäischer Ebene wichtig
Daher ist Regulierung auf europäischer Ebene so wichtig. Die morgen zur Abstimmung stehenden Regeln zur Vergütung von Fondsmanagern (UCITS V) verhindern die Umgehung der Regeln der BaFin.

Allerdings wollen Christdemokraten, Liberale und britische Europaskeptiker die vom Wirtschaftsausschuss beschlossenen strengen Regeln mit einem Änderungsantrag noch verhindern. Die Vorschläge des Ausschusses schreiben, wie in den USA, Symmetrie vor, d.h. Outperformance kann nur honoriert werden, wenn Underperformance symmetrisch zu einer Reduzierung der fixen Verwaltungsgebühren führt. Alle in Europa aufgelegten Fonds werden von diesen Regeln erfasst.

Viele glauben, das sei alles gar nicht so wichtig. Die Fondsindustrie versucht uns einzuflüstern, dass angesichts einer im langfristigen Durchschnitt sieben Prozent Aktienrendite, die Gebühren bei ausreichend langer Haltedauer verschwindend gering seien. Viele Kunden scheinen diese Propaganda zu glauben.

Das liegt daran, dass unsere Alltagserfahrung nicht dazu geeignet ist, uns im intuitiven Umgang mit langen Zinseszinsreihen zu schulen: Wer jeden Monat nur 100 Euro spart und in einem deutschen Aktienfonds mit 7% durchschnittlicher Bruttorendite (vor Gebühren) anlegt, würde nach dreißig Jahren insgesamt knapp 83.000 Euro (vor Steuern) ausbezahlt bekommen. Mit der Gebührenstruktur der USA hätte er jedoch über 15.000 Euro, fast 20 Prozent mehr erwirtschaftet.

Hätte unser Bundesbürger das Glück in Schweden zu leben und würde in den dortigen staatlichen Pensionsfonds einzahlen, der nur 0,1 Prozent Verwaltungsgebühr benötigt, hätte er gar eine um fast 30.000 Euro (34 Prozent) höhere Summe für seine Rente zur Verfügung.
Angesichts dieser gewaltigen Unterschiede zeigt sich wie wichtig die Gebühren für den Endverbraucher sind. Im Europaparlament steht Mittwochmittag zur Abstimmung, wie wichtig es den Abgeordneten ist, die Anlegerinteressen zu schützen und für einen faire und gleichmäßige Regeln im EU-Binnenmarkt zu sorgen.

Sven Giegold ist Europaabgeordneter der Grünen und Finanzexperte.

 

Spiegel online, 02. Juli 2013, 18:08 Uhr

Verbraucherschützer

EU-Parlament soll Boni für Fondsmanager begrenzen

Verleiten hohe Sonderzahlungen an Fondsmanager zu riskanten Geschäften? Ja, meinen Verbraucherschützer und fordern, diese zu begrenzen. Das EU-Parlament muss nun darüber entscheiden.

Berlin/Brüssel – Verbraucherschützer fordern vom EU-Parlament eine Schranke für Sonderzahlungen an Investmentfondsmanager. Die EU-Parlamentarier müssten am Mittwoch den entsprechenden Regelungen zustimmen, die der Wirtschaftsausschuss vorgeschlagen habe, teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) am Dienstag in Berlin mit. “Erfolgsvergütungen für Fondsmanager setzen falsche Anreize und bedeuten oft Nachteile für Verbraucher”, sagte VZBV-Chef Gerd Billen. Die Sonderzahlungen sollten deshalb “untersagt oder aber zumindest begrenzt” werden, forderte Billen.

Die bisherigen Regelungen der Erfolgsvergütung erhöhten die Gefahr, dass Fondsmanager erhöhte Risiken eingingen, um kurzfristig viel Geld zu verdienen, kritisierte VZBV-Chef Billen. Bei Gewinnen kassiere die Fondsgesellschaft, Verluste hingegen müssten die Anleger allein tragen; für Fondsmanager hätten Verluste aber keine finanziellen Nachteile.
Der Vorschlag des Wirtschaftsausschusses vom März sieht vor, erfolgsabhängige Vergütungen (Performance Fees) nur dann zu erlauben, wenn Fondsmanager an einer positiven Entwicklung wie an einer negativen Entwicklung des Fonds beteiligt werden und sich die Sonderzahlungen entsprechend entwickeln.
“Nichts anderes als Abzocke der Investoren”
“Die undurchsichtigen Performance Fees kommen oft nur den Firmen zugute, während sie die Rendite der Anleger schmerzhaft reduzieren”, sagte der finanz- und wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold. “Sie schaffen keinen Mehrwert und sind darum nichts anderes als Abzocke der Investoren und daher nicht zu rechtfertigen.”
Das Parlament soll zudem darüber abstimmen, ob Fondsmanager in Zukunft wie im Bankenbereich keine Boni mehr erhalten dürfen, die höher sind als ihr festes Jahresgehalt (in der Summe maximal 24 Monatsgehälter).
yes/AFP

 

Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung, 01.07.2013

 

Grenzen für Leistungshonorare
Europaparlament will den Wildwuchs bei Investmentfonds-Gebühren eindämmen

Von Markus Sievers. Wer mit Investmentfonds sparen möchte, macht sich Gedanken über Aktienkurse, Rentenmärkte oder Immobilienpreise. Über den finanziellen Erfolg für den Privatkunden entscheiden aber auch ganz andere Faktoren: Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühr, Depotbankgebühr, Transaktionskosten, Performance Fee. Das ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine Liste der Methoden, mit denen die Branche bei den Kunden kassiert. Auf mehr als 60 Varianten ist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bei Stichproben gestoßen.

Gegen besonders umstrittene Auswüchse möchte jetzt das Europaparlament vorgehen. In dieser Woche stimmen die Abgeordneten über EU-weite Regeln und Grenzen für Leistungshonorare, Performance Fees genannt, ab. Einen Etappensieg erreichten die Verbraucherschützer im Wirtschafts- und Währungsausschuss, der sich mit Mehrheit für schärfere Bestimmungen aussprach. Doch bevor das Plenum am Mittwoch entscheidet, rührt sich Widerstand. Den ein oder anderen mag die Kritik an Performance Fees erstaunen. Die Leistungsprämien sollen doch Fondsmanager anspornen, gut mit dem Geld umzugehen, das ihnen alleinerziehende Mütter, Familienväter oder junge Berufstätige anvertrauen. Gerade professionelle Investoren setzen darauf, wenn sie ihre Milliarden in die Hände von Fondsgesellschaften geben.

Dennoch meint Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: “Aus unserer Sicht ist die Erfolgsgebühr überflüssig. Es ist eine zusätzliche Gebühr, die im Zweifel die Rendite des Verbrauchers schmälert.” Bei den Großkunden senken DWS, Union Investment oder Deka als Ausgleich für Performance Fees die Verwaltungsgebühren, die Kosten fürs Personal und andere Aufwendungen. Bei den Privatkunden aber schlägt die Branche die eine Gebühr oben drauf, ohne auf die andere zu verzichten. Und: Was heißt überhaupt Erfolg? Das Extrahonorar fällt an, wenn der Manager einen Vergleichsindex schlägt, etwa den Deutschen Aktienindex (Dax). Gewinnt der Fonds zehn Prozent und der Dax nur fünf Prozent, gibt es eine Prämie. Ein Anleger mit einem Fondsanteil von 10 000 Euro erhält vom Kursanstieg um 1000 Euro beispielsweise 800 Euro. 200 Euro gehen als Perfomance Fee an die Gesellschaft. Laufen die Börsen gut, werden sich die wenigsten darüber aufregen. Anders sieht es aus, wenn der Dax einbricht und der Fonds nur etwas weniger einbüßt. Obwohl der Sparer im Minus steht, muss er eine Erfolgsvergütung abführen.

“Abzocke” nennt das der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold. Nach seiner Vorstellungen sollen in der EU Erfolgsvergütungen nur noch erlaubt sein, wenn die Fondsgesellschaft bei Misserfolg Verwaltungsgebühren in entsprechender Höhe erlässt. “Wir brauchen Symmetrie, so dass es Fonds so lange keine Performance Fee verlangen können, bis sie eine Underpeformance aufgeholt haben.” Im zuständigen Ausschuss des Europaparlaments sprach sich eine Mehrheit dafür aus, Perfomance Fees grundsätzlich zu verbieten und nur ausnahmsweise zu erlauben. Voraussetzung dafür sollte sein, dass es Abzüge für schlechte Jahre gibt (Symmetrie) und Honorare nicht für ganz kurzfristige Erfolge von weniger als einem Jahr.

Dies aber geht der Branche zu weit. Der deutsche Fondsverband BVI unterstützt nach eigenem Bekunden das Anliegen, verbindliche Normen einzuführen. “Wir halten es für sinnvoll, die Methoden zur Erhebung von Perfomance Fees zu regeln”, sagt BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Es müsse aber ein Weg gefunden werden, die Interessen von Privatanlegern und Anbietern ausgewogen zu berücksichtigen. “Ein generelles Verbot würde also über das Ziel hinaus schießen.”

Für in Deutschland aufgelegte Fonds hat die Aufsichtsbehörde Bafin bereits Grenzen gesetzt. So dürfen die Gesellschaften nicht mehr für ein gutes Quartal oder einen erfolgreichen Monat Honorare beziehen, sondern müssen schlechte Ergebnisse über fünf Jahre fortschreiben. Nur wenn sie in diesem Zeitraum besser als der Vergleichsmaßstab abschneiden, sind Performance Fees zulässig. Doch national lässt sich das Problem nicht bewältigen, meint Verbraucherschützerin Oelmann: “Wir brauchen eine EU-weite Regelung, weil sonst die Fondsgesellschaften die Produkte in Luxemburg oder anderen Ländern mit weniger strengen Bestimmungen auflegen”.
Doch im Europaparlament formieren sich die Gegner härterer Auflagen. Eine Allianz aus Konservativen und Liberalen, bestehend aus EEP, ALDE und ECR, wolle die Regulierung zu Fall bringen, warnt der grüne Abgeordnete Giegold.

 

Les Echos, 03.07.2013

Gestion d’actifs : le Parlement européen divisé sur l’encadrement des bonus

Par Renaud Honoré | 03/07 | 06:00

Les eurodéputés pourraient revenir sur la limitation des bonus du secteur. Elle avait été réclamée au printemps.

Très remonté au printemps contre les rémunérations du secteur financier, le Parlement européen semble nettement moins allant à présent que l’été est venu. Un vote décisif se tient aujourd’hui à Strasbourg, qui pourrait remettre en cause la position prise en mars de strictement limiter les bonus du secteur de la gestion d’actifs. « Ces nouvelles règles sont pourtant indispensables pour renforcer la protection des investisseurs et réduire le risque de spéculation », s’alarme le député Verts allemand Sven Giegold, rapporteur du projet.

En mars, ce nouvel arsenal législatif semblait pourtant aller de soi. Quelques semaines auparavant, les eurodéputés avaient réussi à imposer aux Etats membres – et notamment à la Grande-Bretagne – une stricte limitation des bonus des banquiers. Dès lors, l’idée avait germé qu’il fallait introduire ces mêmes principes à l’industrie de la gestion d’actifs. La commission parlementaire des affaires économiques avait donc voté des amendements en ce sens à la nouvelle législation qui doit encadrer les OPCVM (le texte « Ucits » dans le jargon bruxellois). Il avait été décidé que le montant de la rémunération variable ne pouvait dépasser le salaire fixe, soit l’exact décalque de la règle imposée aux banques. « Il est logique qu’il y ait une cohérence entre les différentes sphères du secteur financier », souligne Jean-Paul Gauzes, député PPE.

L’issue semble incertaine

Une règle supplémentaire avait été ajoutée pour tenir compte des spécificités de la gestion d’actifs : les commissions de performance – versées quand le fonds surclasse ses concurrents ou les indices de référence – avaient été interdites, dès lors que l’OPCVM est ouvert aux particuliers. Pour les fonds réservés aux professionnels, les commissions restaient autorisées mais pouvaient se transformer en malus en cas de contre performance.

C’est tout cet arsenal qui pourrait être balayé en séance plénière aujourd’hui. Le PPE veut obtenir purement et simplement la suppression de ces amendements. « La fronde est menée par l’Allemand Thomas Mann qui défend mordicus l’industrie », souligne un très bon connaisseur du dossier. Le secteur avait ainsi multiplié les mises en garde en mars.

Au final, l’issue du vote paraît très incertaine. Quoi qu’il arrive, il restera ensuite au Parlement à s’entendre avec les Etats membres sur un compromis final.

 

Financial Times, 16.06.2013

Fund lobby groups attacked by investors

By Madison Marriage

European policy makers are being targeted by powerful lobbies

Concerns are mounting that the fund industry is damaging the interests of end investors by aggressively lobbying against new regulation.

A number of regulatory initiatives designed to protect investors have been watered down or blocked in recent weeks, and investor groups believe the increasingly co-ordinated fund lobby is to blame.

Fund industry participants recently expressed their “delight” at a vote on the Ucits V directive being pushed back a month, providing more time to hone arguments against a bonus cap intended to prevent excessive risk taking.

The push to implement a financial transaction tax, which was designed to curb excessive trading, has also floundered since the European Commission unveiled the proposal in February.

Sven Giegold, the German MEP overseeing Ucits V negotiations, claimed there was a disproportionate amount of lobbying on behalf of fund companies, with little being done to fight the corner of end investors. “I am not against lobbying, I only think it is very one-sided,” he said.

John Kay, the British author and economist, shared these fears. He said: “The only people that have the resources to negotiate the detail [of regulation] are those in the industry, and that is part of the reason why financial regulation is vulnerable to industry capture.”

Five fund groups, including BlackRock, Fidelity, KBC, Amundi and Union Investment, spent up to €800,000 on lobbying last year, the European Commission’s transparency register shows.

Deutsche Bank and BNP Paribas Securities Services, meanwhile, allocated approximately €1.9m and €1.25m respectively to lobbying on issues including the Alternative Investment Fund Managers directive and Ucits regulation.

By contrast, Finance Watch, one of the few bodies representing investor interests at a European level, spent €330,000 on communications, meetings and research in the 18 months to December 2012.

Guillaume Prache, managing director of the European Federation of Financial Services Users, said his organisation was “fighting an uphill battle against some powerful lobbies”.

Fund associations are also intense lobbyists; the UK, Dutch, Italian and Irish fund associations spent more than €1m last year, while the European fund association, Efama, spent approximately €2m.

Pirc, a shareholder advisory group, is uneasy about these fund associations’ power. “We certainly have concerns that trade bodies can be quite effective barriers to reform,” a representative for the group said.

The London Pensions Authority, however, staunchly defended the fund industry’s lobbying activities. Edmund Truell, its chairman, said there were considerable risks in “poorly thought-out regulations [that] stifle financial markets and add to costs”.

“As an end investor, we welcome fund managers lobbying the policy makers and wish them well,” he added.

Nonetheless, two regulatory proposals designed to improve investor protection, Mifid II and Prips, have been significantly diluted as a result of asset management lobbying, Mr Prache believed. “For me, this is a step back in investor protection,” he said.

Albert Biebuyck, head of Investor Protection Europe, a group that defends investor interests, is similarly concerned that “lobbying by the fund industry” has led the Luxembourg regulator to “ignore” investor issues in the grand duchy.

The scarcity of resources available for investor groups is the main barrier to successful investor protection, Mr Prache said.

The European Commission, which is meant to provide adequate funding to non-profit groups so that they can participate in regulatory discussions, paid Mr Prache €18 an hour last year to chair its securities and markets stakeholder group. “This is gross in both senses of the word,” he said.