Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Wirtschaftsprognosen von EU, OECD & IWF in den Krisenländern viel zu optimistisch

Die Prognosen führender internationaler Wirtschaftsinstitutionen mussten regelmäßig deutlich korrigiert werden.[1] Und zwar nach unten. Sie beziehen sich auf zentrale Wirtschaftsindikatoren der Eurostaaten, wie das jährliche reale BIP-Wachstum sowie der Anstieg der jährlichen Neuverschuldung (gemessen am BIP). Der Beobachtungsraum erstreckte sich auf die Vorhersagen für 2012, 2013 und 2014, die halbjährlich in 2011 und 2012 regelmäßig veröffentlicht wurden. Am 8. November 2012 erschien die neue Herbstprognose der EU-Kommission.

Insgesamt geben die regelmäßigen Korrekturen Anlass, die Methodik dieser Institutionen kritisch zu betrachten. So hat beispielsweise die EU-Kommission für Portugal und Spanien ihre Prognosen für das jährliche Wirtschaftswachstum regelmäßig nach unten, sowie den Anstieg der jährlichen Neuverschuldung regelmäßig nach oben korrigiert. Ihre Prognosen waren im überwiegenden Fall zu optimistisch. Das lässt auf eine grundsätzliche Überschätzung der Wirksamkeit einer Austeritätspolitik sowie einer weitestgehend systematischen Fehleinschätzung des Multiplikatoreffekts (d. h. den Einfluss der Senkung der Staatsausgaben auf das BIP) schließen.

Wir werden diese Fehleinschätzungen weiter beobachten, vor allem weil man vermuten könnte, dass es den Institutionen schwer fällt, die Ergebnisse ihrer eigenen Politikberatung nicht abzuschätzen. Grundsätzlich wäre es zu bevorzugen, wenn Vorhersagen von politisch neutralen, wissenschaftlichen Stellen erarbeitet würden. Dann könnte sich die EU-Kommission auf ihre Kernaufgaben der politischen Kontrolle und Entscheidungen konzentrieren.


[1] Wir haben die Progonsen dieser Institutionen untersucht: EU-Kommission, Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Internationaler Währungsfonds (IWF)