Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Schulpraktikantin Lara Sofia aus Düsseldorf berichtet: Das etwas andere Praktikum

Schulpraktikantin Lara Sofia Render berichtet auf youpod.de über ihr Praktikum in meinem Brüsseler Büro:lara

Das etwas andere Praktikum

Ich habe zwei Wochen lang ein Praktikum im Abgeordnetenbüro von Sven Giegold gemacht. So konnte ich einmal hinter die Kulissen des Europaparlamentes schauen. Wie es mir dabei ging, was ich gemacht und erlebt habe, könnt ihr hier erfahren.

Obwohl die europäische Politik in den letzten Jahren im Rahmen der Finanzmarktkrise immer wieder Schlagzeilen macht, kennt kaum ein Deutscher einen Abgeordneten des Europaparlaments.

Auch mir ging es bis vor kurzem so. Generell wusste ich über das Europaparlament nur wenig und deshalb habe ich beschlossen, dies durch einen Besuch zu ändern. Aber nicht nur als Touristin, sondern als Praktikantin im Büro des Düsseldorfer Europaparlamentariers der Grünen: Sven Giegold.

Sprachkenntnisse sind wichtig

Meine zwei Wochen Praktikum waren eine ganz besondere Erfahrung. Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich so viele Sprachen und Kulturen so nah beieinander erlebt. Schon in der ersten Stunde meines Praktikums konnte ich von all meinen Sprachkenntnissen profitieren: Vor dem Gebäude des Europaparlamentes traf ich zwei Spanier, die ich um Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Eingang bat. Im Eingangsbereich dann habe ich mit den Damen an der Verwaltung auf Englisch sprechen müssen und schließlich konnte ich bei der Taschenkontrolle von meinen Französisch-Kenntnissen profitieren.

Im Büro angekommen durfte ich die Kollegen und meinen Arbeitsplatz kennenlernen. Das war ein ganz besonderer Moment, denn ich hatte mir zuvor schon viele Gedanken darüber gemacht, wie meine Kollegen sein würden. Hier wurde ich positiv überrascht: Alle Kollegen haben mir sofort das Du angeboten und mich so herzlich begrüßt, dass ich mich gleich wohlgefühlt habe.

Nach wenigen Stunden war es bereits 12 Uhr und Zeit zum Mittagessen. Ich musste zum Glück nicht alleine gehen, sondern wurde von meinem Praktikumsbetreuer begleitet. Während des Essens hat dieser mir mehr über sich, seinen Werdegang und über das Europäische Parlament im Generellen erzählt. Nach dem Essen hat er mir noch eine kleine Führung durch das Gebäude gegeben und mir die wichtigsten Räume im Haus gezeigt. Zu denen gehören die Sitzungsräume, die Bibliothek und die Reisebüros.

Aufgabe: Newsletter-Kontakte eintragen

Meine erste Aufgabe für den Nachmittag war das Übertragen von E-Mail-Adressen in eine Excel-Datei. Die E-Mail-Adressen werden nicht nur nach Namen und Nationalitäten sortiert, sondern auch nach Interessengruppen, denn die Datenbank wird für das Versenden des Newsletters genutzt. Da sich aber nicht alle im Verteiler aufgenommenen Kontakte für dieselben Inhalte interessieren, werden die Newsletter immer nur an bestimmte Gruppen versendet. Da ich mehr als 500 E-Mail-Adressen zu übertragen hatte, war ich bis zum Feierabend um 6 Uhr ausgelastet.

Mein zweiter Arbeitstag war besonders spannend, denn es war der erste Sitzungstag in Straßburg und über den Livestream der Europäischen Union konnte ich live einige Debatten und Abstimmungen mitverfolgen und Sven live reden hören und sehen.

Aufgabe: Öffentlichkeitsarbeit

Im weiteren Verlauf der Woche durfte ich auch bei der Beantwortung von Bürger(innen)-Anfragen helfen und Recherchen durchführen. Auch bei der Öffentlichkeitsarbeit konnte ich mithelfen. So habe ich nicht nur Newsletter übersetzt, sondern auch Blogbeiträge für Sven Giegolds Internetseite verfasst.

Ein ganz großes Thema war in der ersten Woche die Abstimmung über den “Estrela-Bericht”. Der Estrela-Bericht sieht die Möglichkeit der Abtreibung als ein Grundrecht an und fordert eine bessere Sexualerziehung in der Schule. Viele Bürgerinnen und Bürger haben in E-Mails ihre Meinung bezüglich der Forderungen kundgetan und die Abstimmung selbst spiegelte die stark auseinandergehenden Meinungen wieder. Nach heftigen Diskussionen wurde ein Beschluss gefasst, der jedoch kein richtiger ist: Die Abstimmung wurde verschoben.

Tour durch Brüssel

Nach all diesen Highlights in der ersten Woche, war ich froh über das anstehende Wochenende, denn nach meinem Arbeitstag war ich oft zu müde oder es war schon zu spät, um mir noch die Stadt anzuschauen. Am Wochenende habe ich dann aber die zuvor fehlende Zeit genutzt und eine Brüssel-Tour gemacht. Ich habe mir das Männeken- und auch Jenneken-Piss angeschaut, eine belgische Waffel gegessen und bin zum Grand Place gelaufen.

Nach einem erholsamen und spannenden Wochenende bin ich Montag wieder voller Vorfreude zur Arbeit gekommen. Die zweite Woche, in der ich das Büro von Sven Giegold unterstützt habe war eine – wie die Mitarbeiter sie nennen: “Grüne Woche”. Übersetzt bedeutet das, dass die Abgeordneten alle zurück in ihre Wahlkreise fahren und dort politisch aktiv sind. In diesen Wochen ist es in Brüssel meistens eher ruhig. Denn es finden keine Ausschusssitzungen statt, bei denen viel diskutiert und verhandelt wird.

Aufgabe: Lobby-Arbeit

In dieser Woche habe ich mich also weiter um die Maillisten gekümmert und eine neue Aufgabe bekommen: Ich durfte die Lobby-Arbeit übernehmen. In Brüssel haben fast alle Zweige der Industrie und auch fast alle politischen Einrichtungen eine Vertretung, deren einzige Aufgabe es ist, Abgeordnete des Europaparlaments dafür zu gewinnen, eine industriefreundliche Politik zu betreiben. Teilweise mieten Banken ein ganzes Museum, um Politiker einzuladen und mit diesen zu debattieren. Alle Einladungen zu solchen Veranstaltungen sind auf der Internetseite Sven Giegolds in einer Liste aufgeführt zu finden. Einen Teil der Liste habe ich während meiner zweiten Woche in Brüssel gefüllt.

Da in meine zweite Praktikumswoche der 1. November fiel, war sie einen Tag kürzer als die erste und so war der Donnerstag mein letzter Arbeitstag. Dieser Tag war aber noch einmal ein ganz besonderer: Da ich Sven Giegold bis zum letzten Tag meines Praktikums nicht persönlich kennenlernen konnte, durfte ich ihn im Zug nach Deutschland begleiten und ihm all die Fragen stellen, die sich während meines Praktikums ergeben hatten und auf die ich noch eine Antwort suchte. Die freundliche Begrüßung und seine hilfsbereite Art gaben mir das Gefühl, ihn schon lange zu kennen und so war ich sehr traurig, als mein Gespräch und mein Praktikum zu Ende waren. Bevor ich wieder nach Hause gefahren bin, bin ich noch einmal kurz ins Büro gegangen, um mich von meinen Kollegen zu verabschieden und ihnen für die zwei schönen Wochen zu danken.

Fazit: Tolles Praktikum

Was mir an meinem Praktikum besonders gut gefallen hat? Die vielen Kulturen, die ich kennengelernt habe, die vielen jungen Menschen und meine Kollegen, die Institution an sich näher kennenzulernen und meine vielfältigen Aufgaben.

 

Lara hat auch noch ein Interview mit mir gemacht, das ist ebenfalls auf youpod.de erschienen:

Europa – was hat das mit mir zu tun?

Der Düsseldorfer Grünen-Politiker Sven Giegold setzt sich im Europaparlament für eine fairere Wirtschaft ein. Ich habe ihn zu seinem Job und seinen politischen Zielen befragt:

Lara: Was bedeutet Politik für dich?

Sven Giegold: Bei Politik geht es darum, Regeln zu schaffen und Gesellschaft im Interesse des Gemeinwohls zu gestalten. Außerdem sollen Grundrechte und Bürgerrechte für alle stark gemacht werden.

Warum bist du in der Europa- und nicht in der Bundes- oder Landespolitik.

Mein politischer Bereich, der Finanzbereich, wird von der Europapolitik bestimmt. Die Grundlage wird in Form von Gesetzen durch das Europaparlament gelegt und die Länder müssen die Regeln dann nur noch umsetzten. Außerdem finde ich Europa ein faszinierendes und begeisterndes Projekt. Die europäische Einigung ist eine der besten Sachen, die unserem Kontinent passieren konnten. Das Europaparlament ist der Ort, an dem man das Zusammenwachsen der einzelnen Mitgliedsstaaten der EU live erleben und selbst mitgestalten kann. Ich sehe es deshalb als ein riesiges Geschenk an, Abgeordneter des Europäischen Parlaments sein zu dürfen.

Was findest du an Europa so faszinierend und begeisternd?

In Europa gab es eigentlich immer Kriege. Jetzt ist es damit vorbei und dies liegt daran, dass wir uns das gemeinsame Ziel gesetzt haben, uns zu vereinigen und dass wir uns Regeln gegeben haben. Das Ergebnis dieser Vereinigung ist die Europäische Union. Desweiteren wird die Welt immer kleiner und wächst immer enger zusammen. Wenn wir die Wertvorstellungen von Demokratie und Frieden in die Welt hinaustragen möchten, dann müssen wir diese vorleben und dass tun wir in der Europäischen Union.

Dein Bereich ist der Finanzmarkt. Inwiefern kann man diesen “grün” machen?

Grüne sind auch nur Menschen und deshalb wollen wir in erster Linie, dass Finanzmärkte im Sinne der Bürgerinnen und Bürger funktionieren und nicht auf Kosten der Allgemeinheit spekulieren und hinterher der Steuerzahler bezahlen muss. Dass bedeutet zunächst, dass keine Bank so groß sein darf, dass sie nicht gerettet werden muss und Konkurs gehen kann. Nur dann achten die Anleger darauf, dass ihre Bank gut wirtschaftet. Die Grünen stehen auch für den Verbraucherschutz. Wir wollen, dass Menschen Zugang zu guten Finanzprodukten haben, die auch Ertrag bringen und dass dieser Ertrag nicht bei Banken und Fonds versickert. Nur wenn die Finanzprodukte rentabel sind, können sie beispielweise als private Altersvorsorge vor Altersarmut schützen. Heute sind unsere Finanzprodukte oft nicht gut. Das wollen wir ändern. Als “Grüne” interessieren wir uns natürlich auch dafür, dass das Geld der Banken nicht irgendwo investiert wird, sondern in neue und nachhaltige Produkte.

Wie beeinflusst europäische Politik das alltägliche Leben?

Das Kernprojekt Europas ist der europäische Binnenmarkt. Das bedeutet, dass die Regeln, die für die Produktion all unserer Produkte gelten, auf europäischer Ebene beschlossen werden. Fragen wie: Sind die Elektrogeräte ökologisch oder nicht? Müssen Häuser gedämmt werden? Was machen wir im Bereich des Verbraucherschutzes? Da hat Europa unglaublich viel verbessert. Heute verbrauchen Kühlschränke nur noch einen Bruchteil der Menge an Strom wie noch vor 20 Jahren. Die Handyladekabel sind heute alle mit demselben Stecker versehen. Auch im Bereich der Fahrgastrechte wurde viel verändert: Wenn man reiste und das Flugzeug ausfiel, so wurde man früher nicht entschädigt. Auch bei der Fahrt mit der Bahn gibt es erst durch die europäischen Regeln Entschädigungen für stark verspätete Züge.

Siehst du den Euro als Gefahr für Europa an?

Der Euro an sich ist ein großer Fortschritt für das Zusammenwachsen des Kontinents. Aber so, wie er gemacht wurde, erweist er sich jetzt gerade als Spaltpilz. Die Verhältnisse in den einzelnen Staaten sind zu weit auseinander gefallen. Es ist nun unsere Aufgabe, diese wieder zusammenzuführen, denn sonst kann es tatsächlich sein, dass einige Länder aus der Gemeinschaft herausfallen.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?

Letztlich ist mein Traum eine Gesellschaft, in der es frei und gerecht zugeht und die Schöpfung erhalten bleibt. Das sind zwar große Wünsche, aber letztlich ist es das, was mich antreibt.

Rubrik: Mein Europa

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