Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Tourblog zur Wahl

In diesem Blogbeitrag schreibt Svens Mitstreiterin Cornelia Reetz (mit einem gewissen Augenzwinkern) über Ihre Erlebnisse und Eindrücke von Svens Tour zur Europawahl

 

Dienstag, 22.04.2014: Tourstart

Der Osterhase ist wieder von dannen gehoppelt. Es scheint, dass aus seinen Ostereiern in diesem Jahr Wahlplakate geschlüpft sind – das hat man davon, von man das Eier legen einem Hasen überlässt! Die Plakate sind zum Glück so groß und bunt, dass man sie nicht lange suchen muss. Dennoch gibt das ein oder andere Rätsel auf. Von den CDU-Plakaten etwa lächelt uns Frau Merkel zu. Moment mal, war da nicht irgendwas mit Europawahl? Will uns Frau Merkel etwa verlassen und nach Brüssel ziehen? Die Frau ist halt immer für eine Überraschung, bzw. eine überraschende Kehrtwende gut. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Ganz sicher zurück ins Europaparlament gewählt werden will Sven. Heute startet seine Wahlkampftour und mit dabei sind Jan und ich. Da sich Sven in den Kopf gesetzt hat in den nächsten 34 Tagen bis zur Wahl rund 100 Termine (!!) in ganz Deutschland wahr zu nehmen, ist er auf etwas Hilfe angewiesen. Unser Ober-Öko kann nämlich noch nicht mals selber Auto fahren. Das kann ja heiter werden…

Jan und ich holen das Wahlkampfauto von der Bundesgeschäftsstelle der Grünen in Berlin ab. „Wahlkampfauto“ muss man relativieren. Außen steht zwar Wahlkampf dran („Am 25.5. Grün wählen“ usw.). Drinnen ist aber wenig Wahlkampf drin. Zwei kleine Postboxen sind mit circa 15 Wahlprogrammen, ein paar Plakaten, 100 Mini-Tüten Gummibärchen und 10 Seifenblasen-Dingsbums „ausgestattet“. Anscheinend ist alles weitere ausverkauft und musste nachbestellt werden. Es kann also losgehen?! Noch nicht ganz, denn im Minibus sind hinten lediglich zwei rückwärts gerichteten Einzelsitzen eingebaut. Wenn wir irgendwann scharf bremsen müssen, würde Sven unweigerlich von seinen eigenen Wahlprogrammen erschlagen werden. Das wollen wir lieber vermeiden, weshalb wir noch mal umbauen und eine Knautschzone einrichten. Kann in der Politik nie schaden.

Erste Station der Tour ist Magdeburg. Bevor wir zu einer kleinen Aktion zum TTIP mit dem LV Sachsen-Anhalt auf dem Marktplatz antreten, machen wir noch ein Selfie (Sven: „Das ist modern!“). Unser denkwürdiger Tourstart ist hier festgehalten:

tour_selfie

Auf dem Alten Markt angekommen treffen wir die beiden Landesvorsitzenden Connie Lüddemann und Sebastian Lüdecke, sowie Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke. Der Stand ist schon aufgebaut, alles super organisiert. Gemeinsam werden die liebevoll aus Styropor gebastelten Buchstaben „TTIP“ umgestoßen. Der Kampf gegen das Freihandelsabkommen ist eines von Svens Hauptanliegen für die nächste Legislaturperiode.

Am Abend findet eine Diskussionsveranstaltung an der Otto von Guerricke-Universität (Magdeburg) statt, zu der Campus Grün geladen hatte. Trotz schönem Wetter und einen Tag nach Ostern sind rund 30 Studierende gekommen.

Auf der Fahrt zum Hotel stehen für Sven noch zwei Telefonkonferenzen auf dem Programm, in denen es um Wahlplakate und Laubfrösche geht. Als Ex-Mitglied der Arbeitsgruppe Tümpel und Lurche des BUND Hannover (das war in den 70er Jahren) kennt sich Sven nämlich prächtig mit den kleinen Hüpfern aus und ist mehr als leicht irritiert während des Gesprächs mit Michael Kellner, der in der Uckermark wohnt, Laubfrösche im Hintergrund quaken zu hören. Laut Sven (der die Quak-Laute verschiedener Froscharten auseinander halten kann) sind die Laubfrösche mindestens 10 Tage zu früh an! Klimawandel lässt grüßen! Und die Frösche liefern mit ihrem Gruß neue Motivation für einen engagierten Wahlkampf.

Gegen 22.30 Uhr erreichen wir unser Best Western Hotel in Hannover. Das liegt praktischer- oder unpraktischerweise direkt an der Autobahn, damit’s am nächsten Tag gleich weiter gehen kann. McAllister begrüßt uns in der Landeshauptstadt von einem Plakat direkt vor dem Hoteleingang. Wir sagen Gute Nacht!

 

23.04.2014: Früchte des Erfolgs

6.20 Uhr. Eine wunderschöne rote Sonne steigt vor der denkbar hässlichsten Kulisse der mehrspurigen Autobahn-Zufahrtsstraße in Hannover-Langenhagen auf. Rise and shine! Nach dem Frühstück (es gab keine Soja-Milch!) geht’s auf ins nahe gelegene Nienburg. In der hübschen niedersächsischen Kleinstadt mit vielen Fachwerkhäusern ist heute Markt. Sven und der lokale Bürgermeisterkandidat Peter Schmithüsen beantworten Fragen zu Europa.

Besonders erfreulich an diesem Morgen: Sven hat die seltene Gelegenheit den Erfolg seiner Arbeit im Europaparlament direkt zu erleben. Ein Stadtratsvertreter, der viel mit Flüchtlingen arbeitet spricht ihn darauf an, dass Flüchtlinge nach wie vor keinen Zugang zu einem eigenen Bankkonto haben und ihnen damit das Leben erschwert wird. Sven hat gerade letzte Woche im Europaparlament einen Änderungsantrag zur daraufhin verabschiedeten Zahlungskonten-Richtlinie eingebracht, die in Zukunft genau das ermöglichen wird, nämlich das jeder in der EU – egal ob Flüchtling oder Obdachloser – das Recht auf ein eigenes Bankkonto hat (Siehe Pressemitteilung dazu: https://sven-giegold.de/2014/bankkonto-fur-alle-europa-offnet-allen-burgern-eine-tur-zum-binnenmarkt/). Das hilft auch den Flüchtlingen in Nienburg, die sich sehr über die Nachricht freuen. Die ganze Story könnt ihr hier im Video nachschauen:

 

Von Nienburg geht’s weiter nach Hannover, wo Sven erst ein Pressegespräch mit der Neuen Presse führt (den Artikel könnt ihr hier nachlesen), dann eine nette Gruppe rüstiger RentnerInnen in Laatzen zum Thema TTIP auf Trapp bringt. Es gibt sehr leckeren Kuchen (genannt Fantakuchen – hatte ich mir bei dem Namen echt nicht so gut vorgestellt) und jede Menge Kaffee, den wir alle dringend nötig haben.

Nicht, dass der Tag danach schon vorbei wäre! Es steht noch eine Diskussionsveranstaltung der Grünen in Göttingen an. Um 23.30 Uhr sind wir endlich im Hotel. Noch keine 48 Stunden dieser Tour sind rum und ich fühle mich wie gerädert. Besonders ärgerlich: Sven ist immer noch gut drauf. Dem Geheimnis seines unermüdlichen Enthusiasmus muss ich irgendwann noch auf die Spur kommen…

 

Donnerstag, 24.04.2014:

Heute muss ich mich einem wichtigen Thema abseits der Tour widmen: Ordnung. Anlass ist folgender: Guckt mal, wie Sven das Auto zurück gelassen hat, als er heute morgen zu einem kleinen Abstecher nach Bayern mit dem Zug aufgebrochen ist.

Tourbus vorm Aufräumen

(Sven lässt anmerken, dass er die Kiste ordentlich im Kofferraum hinterlassen habe und das Chaos meinem Fahrstil zuzuschreiben sei. Diesen Disput müssen wir noch zu Ende austragen.)

Ich sehe ja ein, dass er nicht sein ganzes Zeug im Zug mitschleppen wollte, aber er muss doch einsehen, dass das so nicht geht?! Ich sehe mich also gezwungen hier mal klar Tour-Schiff zu machen und komme nicht drumherum, diesen Kleiderberg ein wenig näher zu untersuchen. Was haben wir denn hier?

Taschentuch

Hinweise zur Klärung um welches antike Kleidungsstück es sich handeln könnte sind wärmstens willkommen. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass meine fast 100-jährige Großmutter solche Stoffstücke mit sich zu führen pflegte, aber das sind schon viele Jahre her. Diese Stofftücher von Sven scheinen auch schon einige Jahre auf dem Buckel zu haben, stammen also vermutlich aus dem gleichen Zeitalter. Desweiteren muss ich mich kritisch zur nicht-ordnungsgemäßen Faltung der (ungebügelten) Hemden äußern.

Hemd

Da sehe ich noch Verbesserungsspielraum. Nobody is perfect! Die Unterhosen erspare ich euch. Ich stecke meine Nase ja nicht in die schmutzige (Bio-Baumwolle)-Wäsche anderer Leute – es sei denn es handelt sich um Personen von gewissem öffentlichen Interesse. Die müssen bekanntlich jegliche Einmischungen in ihre Privatangelegenheiten zulassen – Ich bleibe also dran…

PS: Hier noch das Ergebnis meiner Aufräumaktion. Besser, oder?!

Kofferraum-nach-Aufraeumen

 

Freitag, 25.04.2014: Eklige Chlorhühnchen

Jan und ich sind bereits gestern mit dem Tourbus nach Berlin zurück gekehrt. Sven kommt heute mit dem Nachtzug aus München nach, wo er sich gründlich mit Bayerns Wirtschaftsminister Markus Söder von der CDU gekabbelt hat. Die Diskussion kann man sich auf der Webseite des BR ansehen. Zunächst steht heute Potsdam auf dem Programm. Dort versucht Sven in der Fußgängerzone als Kellner verkleidet den nichts ahnenden Passanten ein ekliges Chlorhühnchen zu servieren (siehe unten). So sollen die Leuten auf die Tücken des Freihandelsabkommens (TTIP) hingewiesen werden. Immerhin: Einige lassen sich nicht abschrecken und bleiben stehen.

Sven it Chlorhuhn

Weiter geht’s zum Uni Campus in Potsdam-Griebnitzsee. Trotz strahlendem Wetter und frühlingshaften Temperaturen kommen rund 50 Studierende, um sich das Wortgefecht zwischen Sven und einem Vertreter der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) zum Freihandelsabkommen anzuhören. Der arme Mann redet sich um Kopf und Kragen, als er argumentiert, dass man aufgrund der positiven Wachstumspotentiale gewisse Einschränkungen bei Verbraucherschutz, Lebensmittelssicherheit und bei der Zulassung von Chemikalien hinnehmen müsse. Sven hält dagegen, dass zum einen diese Wachstumspotentiale fragwürdig seien. Zum anderen muss es in einer sozialen Marktwirtschaft möglich sein, Regeln demokratisch leicht ändern zu können, was durch das Freihandelsabkommen verhindert werden würde. Auch nach der 2-stündigen Veranstaltung muss Sven noch Fragen von wissbegierigen Studis beantworten. Dann machen wir uns auf nach Schwerin.

Auf dem Weg erleidet Sven einen akuten Koffeinentzugsschock. Für eine Kaffeepause ist aber keine Zeit. Jan’s Club Mate erspart uns schließlich einen totalen Nervenzusammenbruch. Anschließend ist Sven wieder so gut drauf, dass er das Pipi-Langstrumpf-Lied anstimmt. Ich merke mir: Bei nächster Gelegenheit eine Palette Club Mate für den nächsten Notfall einkaufen!

Abends – ihr könnt es euch schon denken – steht in Schwerin wieder eine Diskussionsveranstaltung auf dem Plan. Aber jetzt kommt die Überraschung: Diesmal geht es nicht ums Freihandelsabkommen, sondern um solidarische Ökonomie, was ein anderes Lieblingsthema von Sven ist. Das schöne ist, dass im Publikum viele VertreterInnen von Projekten vertreten sind, die solidarische Ökonomie praktizieren. Dem entsprechend angeregt läuft die Diskussion. Sven hat im Europäischen Parlament und im Land NRW schon an einigen Verbesserungen für solidarische Betriebe mitgewirkt (siehe beispielsweise Info hier). Gemeinsam wird überlegt, wie man die regulatorischen Bedingungen weiter optimieren könnte. Zum Essen kommen wir erst gegen 21.45 Uhr. Noch etwas für meinen Merkzettel: Für die kommenden Tage jede Menge Energieriegel zum Durchhalten besorgen!

 

Sonntag, 27.04.2014: Grüne Jugend

Wer von euch noch nie in Mecklenburg-Vorpommern war, sollte das schleunigst nachholen. Auf der Fahrt von Schwerin nach Neubrandenburg durchquerten wir gestern eine der schönsten Seenlandschaften Deutschlands. Sven (Hobby-Ornithologe) war traurig, dass er kein Fernglas dabei hatte, denn hier gibt es jede Menge seltene “Piep-Mätze” zu bewundern. Einige Störche und Kraniche konnten wir aus dem fahrenden Auto bestaunen, für alle anderen war leider keine Zeit, denn von Schwerin mussten wir nach Neubrandenburg, von dort nach Greifswald und am Ende des Tages noch bis Vechta. Daher hatte ich leider auch überhaupt keine Zeit zum Bloggen.

Heute statten wir dem Bundeskongress der Grünen Jugend in Dortmund einen Besuch ab. Unter dem Motto “Du entscheidest Europa” dreht sich hier alles um die bevorstehenden Wahlen. Dazu wurde u.a. eine Positionierung beschlossen, in der sich die Grüne Jugend klar zu einem “demokratischen, solidarischen und offenen Europa” bekennt. Auch warnt die Grüne Jugend vor der Gefahr für die europäische Integration, die von rechtspopulistischen und europakritischen Parteien in dieser Wahl ausgeht und fordert dazu auf, Probleme in Europa gemeinsam anzugehen und die Europäische Idee zu verteidigen. Nachlesen lässt sich der Text hier. Darüber hinaus hat es die Grüne Jugend geschafft einen regen Austausch mit anderen grünen Jugendorganisationen aufzubauen. Fotos von Austauschbesuchen zeugen davon, ebenso wie eine moderne Brieffreundschaftsvermittlung (ohne “snail mail” sondern natürlich per Email, Twitter und Co.). Schön, dass durch diese Vernetzung grüne  Zusammenarbeit auf europäischer Ebene konkret wird.

Sven’s Rede kommt vor diesem Hintergrund sehr gut an. Ihr könnt sie hier anschauen:

Montag, 28.04.2014: Wir kicken KiK

In aller Frühe machen wir uns auf nach Bönen (das liegt in der Nähe von Dortmund), wo wir zusammen mit dem KV Unna eine Aktion vor der Hauptzentrale des Modediscounters KiK durchführen. Vor ziemlich genau einem Jahr stürzte in der Nähe von Dhaka, Bangladesh, das 8-stöckige Gebäude Rana Plaza ein. Über 1100 Menschen starben dabei, rund 2500 wurden verletzt. KiK und andere Modeketten hatten in dem größtenteils als Kleiderproduktionsstätte genutzten Gebäude produzieren lassen. Die schlechten Arbeitsbedingungen waren immer wieder kritisiert worden, ebenso die schlechte Bauweise. Am Vortag des Disasters waren Risse entdeckt worden, woraufhin andere im Gebäude angesiedelten Geschäfte sofort schlossen. Die ArbeiterInnen der Textilfabrik wurden jedoch angewiesen am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu kommen. Aus diesem Grund befanden sich zur Zeit des Einsturz mehrere Tausend Menschen im Gebäude.

KiK hatte nach dem Disaster Hilfe in Form von 1 Millionen Euro für die Opfer und deren Angehörige zugesagt. Davon wurde auch ein Jahr nach der Katastrophe erst die Hälfte bezahlt. Das Video zu unserer Aktion, in dem Sven seine Forderungen an KiK stellt, folgt sehr zeitnah. Versprochen! Übrigens: KiK war nicht nur in das Rana Plaza-Disaster verstrickt, sondern ließ auch in mindestens zwei weiteren Fabriken produzieren, in denen es aufgrund von mangelnden Sicherheitsvorkehrungen zu Unfällen kam. Zu zwei Brandkatastrophen in der Tazreen Fashions Fabrik in Bangladesh und bei Ali Enterprises in Pakistan hat die Kampagne für Saubere Kleidung Informationen zusammen gestellt.

Nach der Aktion fahren wir weiter nach Duisburg, wo Sven genetisch-unmanipulierte Honigbrote an PassantInnen verteilt. Ganz so süß verläuft es nicht: An diesem kalten, windigen Tag sind nur wenige Menschen in der Fußgängerzone unterwegs. Außerdem scheint den DuisburgerInnen der Schuh eher bei sozialen als Umweltthemen zu drücken. Und letztlich eine kleine Planungspanne: Es gibt keine Butter, weshalb der Honig die Brote schnell durchweicht und das ganze zu einer sehr klebrigen Angelegenheit wird. Wenig appetitlich, aber Sven war noch nie jemand, der sich von widrigen Umständen klein kriegen lässt. Aus Mitgefühl nehme ich auch eins – obwohl es heute sogar Zeit zum Mittagessen gab!

Letzter Tourstopp für heute ist Siegen. Dort erwartet Sven ein voller Saal, um seine Rede “Europäische Demokratie oder Nationalismus?” zu hören. Im Nachhinein denke ich, dass es sich gelohnt hätte, diese zu filmen (sie war nämlich wirklich gut und es gab viel Zustimmung von den ZuhörerInnen). Ich werde versuchen dieses Versäumnis bei Gelegenheit nachzuholen!

 

Dienstag, 29.04.2014: McDonalds ist einfach schlecht!

In letzter Zeit hatten wir Deutschen viel Ärger mit Gentechnik. Erst ließ die Bundesregierung kürzlich zu, dass der Genmais 1507 in der EU zugelassen wurde. Jetzt hat auch noch McDonalds angekündigt, in Zukunft gentechnisch manipuliertes Futtermittel bei seinen Hühnerzulieferern zu erlauben. Und es könnte bald noch dicker kommen: Durch das Handelsabkommen mit den USA (TTIP) droht, dass gentechnisch manipulierten Lebensmitteln, die in den USA bereits der Normalfall sind, die Tür nach Europa geöffnet wird. Denn durch das Handelsabkommen sollen Standards u.a. für Nahrungsmittel auf ein einheitliches Niveau angeglichen werden. Was gut genug für die Amerikaner ist, ist auch gut genug für uns?

Da sind wir beim Thema Gentechnik erst einmal sehr skeptisch und tragen unsere Bedenken heute gleich in zwei Städten an die PassantInnen heran. Zunächst machen wir einen zweiten Versuch mit den Honigbroten, und zwar in Köln-Ehrenfeld – diesmal mit leckerer Biobutter. Na also, es geht doch!

Honigbrote Ehrenfeld

Anschließend geht’s weiter nach Leverkusen. Dort gibt es gentechnikfreies Popcorn. Das kommt sogar noch besser an, als Honigbrote, denn allein der Duft von frischem Popcorn lockt vor allem die kleinen PassantInnen (und im Schlepptau auch deren Eltern) an den Stand. Schon so ist das eine super Aktion, aber Sven setzt noch einen drauf. Er hat entdeckt, dass es hier direkt in der Fußgängerzone einen McDonalds gibt und stattet der Filiale noch einen Freundschaftsbesuch ab (siehe Grußbotschaft im Foto unten).

McDonalds Aktion Leverkusen

Abends gibt es viel Andrang bei Svens Vortrag in Langenfeld, wieder zum Thema “Europäische Demokratie oder Nationalismus”. Offensichtlich beschäftigt die Frage nach der Zukunft der Europäischen Integration viele Menschen. Ich hoffe, dass alle die da waren ihren Freunden und Nachbarn erzählen, was für eine schlechte Idee es wäre die AfD und andere Europa-Skeptiker zu wählen…

 

Mittwoch, 30.04.2014: Mainhatten

Nachdem wir gestern Nacht erst um 1 Uhr morgens das Hotel erreicht haben, sind wir alle etwas gerädert. Sven muss aber trotzdem früh raus, denn um 7 Uhr hat er das erste Interview mit dem SWR-Radio, dann ein weiteres Pressegespräch mit dem Wall Street Journal. Es folgt eine Podiumsdiskussion bei der IG Metall zum Thema “Ist ein solidarisches Europa möglich?”. Mit dabei sind Wolfgang Lemb, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, Dr. Karl Pichelmann, Senior Advisor EU-Kommission, Thomas Fricke, Chefökonom der European Climate Foundation und Dr. Robert Hancké von der London School of Economics. Weiter geht es zur Wiesbaden Business School, wo Sven mit rund 100 Studierenden über Finanzmärkte und deren Steuerung diskutiert.

Mit Finanzmärkten geht es auch am späten Nachmittag weiter. In Oberursel hat der Grüne Kreisverband zu einem Finanzmarktspaziergang eingeladen. Wir statten verschiedenen hier ansässigen Banken (Commerzbank, Sparkasse, Volksbank) einen Besuch ab, ebenso wie dem Weltladen, wo wir auch mit leckeren fair gehandelten Produkten erfrischt werden. Bei nächster Gelegenheit werde ich das Video dazu schneiden und online stellen. Wie ihr aus diesen Blogbeiträgen sehen könnt, ist diese Tour im Allgemeinen kein Spaziergang, daher bitte ich die Verzögerung zu entschuldigen!

 

Donnerstag, 01.05.2014: Kein Feiertag für Wahlkämpfer

Bei strahlendem Sonnenschein ziehen wir heute mit mehreren Tausend Menschen zur traditionellen Maidemo des DGB durch die Koblenzer Altstadt. Diese findet dieses Jahr unter dem Motto “Gute Arbeit. Soziales Europa” statt. An Svens Seite laufen Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, die DGB-Geschäftsführerin Gabi Weber und die Grüne Wirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz Eveline Lemke. Eingetroffen auf dem Münzplatz findet eine Kundgebung statt, auf der erst Andrea Nahles, dann der Oberbürgermeister von Koblenz ein Grußwort an die Menge richten. Anschließend spricht Sven als Hauptredner über die Herausforderung Europa sozialer zu gestalten.

Weiter geht es in die wunderschöne Eifel. Da ich selber aus diesem tollen Flecken Erde stamme, geht mir immer wieder das Herz auf, wenn ich die hübsche hügelige Landschaft mit den Wäldern und Maaren sehe. Um so trauriger, dass ein Teil dieser schönen Landschaft bereits einer hässlichen und lauten Autobahn, der A1, zum Opfer gefallen ist. In der Nordeifel fehlt allerdings noch ein kurzes Stück, über dessen Bau noch nicht entschieden ist. Dorthin hat der KV Blankenheim zu einer Wanderung aufgerufen. Mit dabei ist der örtliche Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer, der laut Sven ein noch begeisterterer Ornithologe ist als er und sogar “die verschiedenen Piep-Mätze am Rülpsen” erkennen kann. Ob das auch stimmt, machen sich die rund 60 TeilnehmerInnen der Wanderung auf zu testen. Immer wieder bleiben wir stehen, um Vogellauten zu lauschen. Problem nur: Kein einziger Rülpser ist zu vernehmen, weshalb der Nachweis weiterhin ausbleibt.

Wanderung Eifel

 

Freitag, 02.05.2014: Die EU kann demokratischer werden!

Heute sind wir im hohen Norden unterwegs. Zunächst besuchen wir für ein Pressegespräch Verden an der Aller, wo Sven bis vor kurzem für viele Jahre lebte. Anschließend hat der KV Achim zu einem Brunch mit der Presse geladen. Am Nachmittag hält Sven in Bremen eine von vier Grundsatzreden zu Europa. Darin analysiert er den derzeitigen Zustand der Demokratie auf europäischer Ebene und legt da, wo aus seiner Sicht Demokratiedefizite bestehen. Außerdem macht er konkrete Vorschläge, wie die Demokratie ausgebaut und verbessert werden kann. Unsere Gastgeberin Dr. Ulrike Liebert, Professorin der Politikwissenschaft an der Universität Bremen und Leiterin des Jean Monnet Centre for European Studies, ist begeistert und möchte gleich ein Transkript der Rede haben. Das wird gerade noch erstellt. Ansehen könnt ihr euch die Reda aber schon jetzt:

Wer sich das ganze lieber als Podcast anhört, kann diesen über Soundcloud streamen oder herunterladen:

Weiter geht es am Abend nach Hamburg, wo die Grünen einen Filmabend mit “Water Makes Money” über Wasserprivatisierung veranstalten. Dabei wird auch über die erste erfolgreiche europäische Bürgerinitiative right2water diskutiert. Mehr als 1,8 Millionen EuropäerInnen hatten sich dafür ausgesprochen das Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung gesetzlich zu verankern. Trotzdem hat die EU-Kommission bisher keinen Legislativvorschlag gemacht, sondern lediglich eine neue Konsultation zu dem Thema gestartet. Auch unter den Anwesenden sind einige, die die Initiative mitunterschrieben haben und von der bisherigen Reaktion der Kommission enttäuscht sind. Erst heute nachmittag in seiner Demokratierede hatte Sven die Einführung eines echten europäischen Bürgerentscheids gefordert, der BürgerInnen ein legislatives Initiativrecht geben würde. Dadurch könnten solche Enttäuschungen in Zukunft vermieden und den BürgerInnen mehr Mitsprache in der europäischen Politik gegeben werden.

 

Samstag, 03.05.2014: Sonniges Rheinland

Gestern Nacht waren wir erst um 1 Uhr im Hotel (in Osnabrück). Das viele Autofahren nervt ein wenig, ließ sich aber nicht vermeiden. Heute zur Mittagszeit hat Sven nämlich einen Termin in der Fußgängerzone von Bergisch Gladbach. Diese ist voller Menschen und – paradoxerweise – voller Autos. Autoshow! Der Stand des KV Rhein-Berg bildet da eine kleine grüne Oase, in der man sich mit Honigbroten erfrischen kann. Lecker!

Im Anschluss fahren wir weiter nach Bonn. Dort findet heute ein Europafest statt und viele Menschen sind in der Innenstadt unterwegs. Der KV Bonn hat einen Stand und sogar eine Bühne mit Mikro organisiert. Mit dabei ist Katja Dörner, grüne Bundestagsabgeordnete aus Bonn. Viele Menschen bleiben stehen, um Svens Rede zur Europawahl zu hören. Einigen anderen bleibt nichts anderes übrig als zuzuhören: Neben der Bühne befinden sich Cafés und Restaurants, auf deren Terrasse bei dem schönen sonnigen Wetter viele Leute sitzen. Immerhin gibte es auch von dort an vereinzelten Tischen spontanen Beifall und sogar Publikumsfragen. Das Modell hat sich also bewährt :-)

Am Abend sind wir in Borchen bei Paderborn eingeladen. Unglaublich: In dem kleinen Ort kommen gut 80 Menschen, um sich Svens Rede “Europäische Demokratie oder Nationalismus” anzuhören. Wieder ein Beweis dafür, dass das Thema den Menschen unter den Nägeln brennt.