Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Versicherungen: EIOPA muss für Transparenz bei Solvenzberichten sorgen

Logo der Versicherungsaufsicht IOPA in groß

Bis zum heutigen 7. Mai müssen die Versicherer zum zweiten Mal Daten über ihre Finanzstärke offenlegen, die weit über die in Geschäftsberichten genannten Zahlen hinausgehen. Zum Wohle der Verbraucher verpflichtet das 2016 eingeführte europäische Regelwerk für die Aufsicht über Versicherungsunternehmen “Solvency II”  Versicherer dazu, einmal im Jahr Angaben zu ihrer finanziellen Situation zu machen.

Zentraler Punkt in den sogenannten Solvency and Financial Condition Reports (SFCR) ist die Solvenzquote, die mindestens 100 betragen muss. Wenn ein Versicherer eine Solvenzquote von 100 aufweist, bedeutet das: Der Versicherer verfügt über ausreichend anrechnungsfähige Eigenmittel, um mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 99,5 Prozent die Verluste auszugleichen, die innerhalb des nächsten Jahres eintreten. Dies selbst unter Extrembedingungen, die – statistisch gesehen – einmal in 200 Jahren auftreten. Bei der Solvenzquote unterscheidet man zwischen reiner (SQR) und ausgewiesener (SQA) Solvenzquote. Dabei handelt es sich zum einen um den Wert ohne die Nutzung von Übergangsmaßnahmen (SQR), zum anderen um den Wert mit Übergangsmaßnahmen (SQA). Die Übergangsmaßnahmen sind ein Zugeständnis an die Lobby der Kapitallebensversicherer, die 16 Jahre lang mit weniger scharfen Regeln rechnen dürfen.

Vor einem Jahr hat Bund der Versicherten (BdV) gemeinsam mit dem Analysten Dr. Carsten Zielke (Zielke Research Consult GmbH) die SFCR-Berichte aller 84 in Deutschland aktiven Lebensversicherer untersucht. Mit dem Ergebnis, dass 23 Versicherer ohne Übergangsmaßnahmen die vorgeschriebene Solvenzquote von mindestens 100 nicht erreichen würden. Erschreckend ist zudem die schlechte Qualität und Intransparenz der Berichte: Manche Gesellschaften verstecken die wichtigen Zahlen in einem Wust von Daten, die meisten Berichte sind mehr als 100 Seiten lang. Lediglich 17 Unternehmen haben einen umfassenden, verständlichen und nachvollziehbaren Solvenzbericht vorgelegt. Fünf Versicherer (davon zwei mit einer reinen Solvenzquote von unter 100) geben sich außerdem gegenseitig mit Versichertengeldern Nachrangdarlehen, um ihre Solvenzquoten zu verbessern. Sie machen diese Kaskadengefahr in den SFCR-Berichten aber nicht transparent. Ebenfalls schwach: Nur ein Lebensversicherer (Concordia) nimmt Stellung zu seiner klimafreundlichen Investmentpolitik.

Doch damit nicht genug: Mehrere deutsche Versicherer bleiben bei der öffentlichen Transparenz hinsichtlich ihrer Spezialfonds hinter ihren europäischen Mitbewerbern zurück. Einige deutsche Versicherer weisen Spezialfonds in Beteiligungen aus, andere in Organismen für gemeinsame Anlagen. Beide Vorgehensweisen entsprechen zwar den EIOPA-Vorgaben in Bezug auf die Konsolidierung von Spezialfonds, verschleiern jedoch die tatsächlichen Risiken der Anlagen gegenüber dem Endverbraucher. Um eine Durchschau auf die hinter Spezialfonds liegenden Vermögensgegenstände zu ermöglichen, müssten diese anteilig in den verschiedenen Anlageklassen abgebildet werden. EIOPA sollte bei der jetzt anstehenden zweiten Runde von Veröffentlichungen entschieden gegen nationale Unterschiede bei den SFCR-Berichten vorgehen. Zum Wohle der Verbraucher müssen europaweit einheitliche Konsolidierungsregelungen gelten, die maximale Transparenz gewährleisten. Daher habe ich einem Brief EIOPA heute aufgefordert, über das Ergebnis der Bemühungen öffentlich zu berichten.

 

Analyse der Zielke Research Consult GmbH: https://www.check-deine-versicherung.de/ranking

Bund der Versicherten: Solvabilitätsberichte auf dem Prüfstand: https://www.bundderversicherten.de/stellungnahmen/solvabilitaetsberichte