Sven Giegold

Wirtschaftsappell an die Bundesregierung: Erneuerbare beschleunigen!

Liebe Freundinnen und Freunde,
Liebe Interessierte,

in den letzten Wochen habe ich mich im Bundesvorstand von Bündnis90/Die Grünen vor allem mit einem Thema befasst: Unsere Kampagne “Rettet die Erneuerbaren Energien!”. Denn der Angriff auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien hat das Potential, Solar und Wind massiv ausbremsen. Damit würde Europa und Deutschland noch länger in teuren Abhängigkeiten von autokratischen Lieferländern von fossilem Öl und Gas bleiben.

Über 200.000 Bürger*innen haben inzwischen unsere Petition unterschrieben. Hier direkt zur Petition!

Hier haben wir unsere 10-Punkte veröffentlicht, wie wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigen und gleichzeitig günstiger und effizienter machen können.

UND ganz aktuell: Seit heute früh ist auch unser “Wirtschaftsappell” online, an dem ich die letzten Tage mit voller Kraft gearbeitet habe.

Dieser Wirtschaftsappell von 25 Vorreiter-Unternehmen der Erneuerbaren Energien setzt ein klares Zeichen zur rechten Zeit: Wir brauchen aus der Bundesregierung einen raschen Ausbau der Erneuerbaren Energien statt ein Bremsmanöver. Unternehmen und Unternehmer*innen verschiedenster Branchen und Mitgestalter der Energiewende vor Ort erheben jetzt gemeinsam die Stimme. Damit steigen die Chancen, den Kurs von Katherina Reiche zu korrigieren!

“Halten Sie an der Modernisierung unseres Energiesystems und am beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien fest! Ausreichend günstiger sauberer Strom ist die Grundlage für wirtschaftliche Erholung, Energiesicherheit, neue Investitionen und die Ansiedlung innovativer Branchen in Deutschland. Heben Sie mit klugen Reformen Effizienz- und Kostenpotenziale – ohne die Energiewende als zentralen Hebel für bezahlbare Energie zu schwächen”, sagen die Vorreiter-Unternehmen.

Ab jetzt können weitere Unternehmen und Unternehmer*innen den Wirtschaftsappell unterzeichnen. Dazu brauchen wir Deine Unterstützung!

Unterschreibt selbst den Appell, wenn Du ein Unternehmen oder eine Unternehmung betreibst, oder sprich Dir gut bekannte Unternehmer*innen bzw. Deine Arbeitgeber*innen an. Alle Branchen können mitmachen. Ebenso kannst Du den Wirtschaftsappell als Privatperson “als Unterstützer*in” unterzeichnen.

Hier den Wirtschaftsappell unterzeichnen oder unterstützen:
https://actionnetwork.org/forms/wirtschaftsappell

Wir bitten um viele weitere Unterschriften aus der Wirtschaft, damit sichtbar wird:

Unsere Zukunft ist erneuerbar.

Erneuerbare Grüße
Sven Giegold

 

 

WIRTSCHAFTSAPPELL

Als Unternehmen, Unternehmerinnen und Unternehmer verschiedenster Branchen und Mitgestalter der Energiewende vor Ort richten wir einen dringenden Appell an die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen der CDU/CSU und SPD:

Halten Sie an der Modernisierung unseres Energiesystems und am beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien fest! Ausreichend günstiger sauberer Strom ist die Grundlage für wirtschaftliche Erholung, Energiesicherheit, neue Investitionen und die Ansiedlung innovativer Branchen in Deutschland. Heben Sie mit klugen Reformen Effizienz- und Kostenpotenziale – ohne die Energiewende als zentralen Hebel für bezahlbare Energie zu schwächen.

Bei aller Notwendigkeit zu Reformen: Die Energiewende in Deutschland ist ein riesiger Erfolg und ihre entschlossene Fortführung ist eine wirtschaftspolitische Schicksalsfrage unserer Zeit. Die Energiekrise nach der plötzlichen Kappung russischer Gaslieferungen hat uns gelehrt, welchen Wert eine resiliente Energieversorgung auch für die deutsche Wirtschaft hat. Solar- und Windenergie, aber auch heimische Biomasse und andere erneuerbare Quellen verschaffen uns diese Unabhängigkeit. Bereits heute verdrängen sie immer häufiger die hohen Stromerzeugungskosten aus Erdgas und senken die Strompreise für Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie für Unternehmen. Die erratische Zollpolitik aus dem Weißen Haus und die engmaschigen, immer häufiger anfälligen globalen Lieferketten zeigen klar auf: Deutschland und Europa müssen lernen, stärker auf eigenen Beinen zu stehen. Die Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft und erneuerbare Energien leisten genau das. Die schrittweise Reduzierung der Abhängigkeit von Energieimporten aus politisch unberechenbaren und unsicheren Weltregionen muss daher im Zentrum der Arbeit jeder Bundesregierung stehen – egal aus welchem politischen Lager.

Nur so schaffen wir auch für alle anderen Akteure verlässliche und planbare Energiepreise und einen sicheren Rahmen für Investitionen. Denn eines ist klar: Der Strombedarf wird rapide steigen und über wirtschaftlichen Aufschwung und Ansiedlungen entscheiden. Ob stromintensive Zukunftsbranchen wie KI und Rechenzentren, Ladestrom für den Hochlauf der Elektromobilität oder eine Senkung der Energiekosten für die chemische Industrie.

Der schnellste und günstigste Weg ist der rasche Ausbau der Erneuerbaren dort, wo sie auch gebraucht werden. Schon jetzt sorgt das dafür, dass Wertschöpfung in Deutschland bleibt, statt ins Ausland zu fließen. Die Gewerbesteuereinnahmen durch Bauwirtschaft, Energiebranche und Handwerk vor Ort unterstützen kommunale Haushalte.

Es stimmt: Die Energiewende hat Schieflagen. Zu lange wurden insbesondere die Stromverteilnetze nicht modernisiert. Digitalisierung und Flexibilisierung, aber auch notwendige Standards bei Technik und Geschäftsprozessen hinken den gewachsenen Anforderungen hinterher. Das verzögert Netzanschlüsse und treibt die Kosten. Bestehende Netzengpässe und der weitere Ausbau erneuerbarer Energien müssen besser synchronisiert werden. Auch diese strukturellen Probleme gehören in den politischen Fokus. Nur dann können wir die Modernisierung unserer Infrastruktur, eine kostengünstige, verlässliche und saubere Energieversorgung zugleich erreichen. Die geleakten Vorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium haben hingegen das Potenzial, den Erneuerbaren-Ausbau scharf auszubremsen. Das heute viel zu geringe Digitalisierungstempo unserer Energie-Infrastruktur schadet hingegen dem Standort Deutschland und bleibt im Entwurf weitgehend unbeachtet. Die Potentiale von immer kostengünstigeren Batteriespeichern, von beschleunigter Sektorenkopplung, Mieterstrom oder Energy-Sharing mit denen Redispatch und Netzbelastung sinken würde, werden in den Vorschlägen nicht adressiert und bleiben ungenutzt.

Als Unternehmerinnen und Unternehmer, die am Standort Deutschland investieren und uns täglich an die Arbeit machen, wollen wir, dass Deutschland auf einen Pfad wirtschaftlicher Dynamik zurückfindet. Wir sind bereit, dafür unternehmerische Initiative und Verantwortung zu übernehmen. Wir und viele andere haben mit unternehmerischer Initiative gezeigt, welches Potential für Wachstum, Innovation, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und bezahlbare Energie in der Energiewende Made in Germany steckt. Auch deshalb gilt es, die Industrien der Energiewende vor unfairem internationalen Wettbewerb zu schützen.

Ob bei Industrie, Gewerbe oder im Handwerk. Wir haben mit unternehmerischem Wagnis über die letzten Jahre demonstriert, welche neuen Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte in der Energiewende stecken, die Investition, Wertschöpfung und Steuereinnahmen vor Ort in die Kommunen bringen. Und noch viel mehr Unternehmen sind bereit, in die Modernisierung des Energiesystems und die Beschleunigung der Energiewende zu investieren. Ein starker Heimatmarkt für neue Lösungen spielt dabei auch für den Export eine wichtige Rolle.

Aktuell sind wir jedoch extrem besorgt, dass diese wirtschaftlichen Potentiale und energiepolitischen Notwendigkeiten mit den aktuellen Vorschlägen der Bundesregierung ignoriert oder verkannt werden. Mit den Vorhaben, wie sie nun im Rahmen des Netzpakets oder den Eckpunkten eines Gebäudemodernisierungsgesetzes vorgestellt wurden, verliert die Bundesregierung die Ziele und Chancen der Energiewende aus den Augen. Sie gefährden bestehende Investitionen und Arbeitsplätze. Geplante Regeln, die die Rahmenbedingungen selbst für sogar bereits getätigte Investitionen massiv und einseitig zu Ungunsten innovativer Geschäftsmodelle im Energiesektor verändern, bedeuten nicht nur einen Vertrauensbruch gegenüber Unternehmen, sie sind auch Gift für dringend notwendige neue Investitionen und den Standort Deutschland. Aufwändige Planungen in den Kommunen werden entwertet und massive Einbrüche bei Aufträgen für Handwerk, Bau- und Energiebranche drohen – zumal an Stelle bestehender Regelungen erst einmal Unklarheit und Rechtsunsicherheit treten.

Statt eines permanenten politischen Hin und Her braucht es politische Klarheit und neues Vertrauen, dass die Bundesregierung hinter der Energiewende und dem Erneuerbaren-Ausbau steht. Langfristige Ziele und Rahmensetzungen müssen verlässlich sein. Das gilt auch für die notwendig gewordenen Korrekturen der beschriebenen Schieflagen. Wir stehen dafür bereit. So schaffen wir gemeinsam, dass die nötigen Investitionen in unsere Energieinfrastruktur und die Energiewende getätigt werden und die Kosten für sauberen Strom für Verbraucherinnen und Verbraucher und Unternehmen weiter sinken können. Wir wollen, dass “Made in Germany“ und „Made in Europe“ auch in Zukunft Garanten für wirtschaftlichen Erfolg bleiben. Die erneuerbaren Energien sind ein zentraler Baustein dafür.

Erstunterzeichner*innen:

Biber GmbH
Bürgerwerke eG
E3DC
Ecosia GmbH
Energiequelle GmbH
Enertrag SE
envite consulting GmbH
EWS Elektrizitätswerke Schönau eG
FENECON GmbH
GP Joule GmbH
Green Planet Energy eG
greentech
Höhenwind-Park GmbH
K2 Systems GmbH
KuroVia GmbH
Naturstrom AG
ÖkoPlus
AG Organic Services GmbH
re.venture GmbH
SMA Solar Technology AG
Timm & Flo GmbH & Co. KG
W-I-N-D Energien GmbH
World Fund (Climate Tech VC)
ZOPF Energieanlagen GmbH
1KOMMA5° GmbH