Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne
„Kommt, wir bauen das neue Europa!“

Die Griechischen Grünen über die Finanzkrise

Die griechichschen Grünen (Oikologoi Prasinoi) haben auf ihrer Ratsversammlung am 24.-25. April in Athen eine Resolution beschlossen, und unser Freund Michalis Tremopoulos hat die englische Übersetzung nach Brüssel geschickt. Sie finden hier den englischen Text der griechischen FreundInnen und unsere deutsche Übersetzung.

Stellungnahme der Griechischen Grünen (Oikologoi Prasinoi) zur Griechenlandkrise

· Wir glauben, dass der Eurozone/IWF-Mechanismus tatsächlich das europäische Integrationsdefizit verstärkt. Die Regelung funktioniert wie eine Selbsterfüllende Prophezeiung, die es für Griechenland noch schwieriger macht, seine Schulden allein zu finanzieren. Unzureichend ausgestatte und mit zu hohen Zinssätzen.

· Die Einbeziehung des IWF verschlimmert die Lage. Neben der „üblichen“ Rezessionsspirale sind wir besorgt über Aussichten auf u. a. die Schließung der Hälfte des (defizitären) Eisenbahnnetzes, den Ausverkauf von für Grünflächen reserviertem öffentlichem Grund in unseren Städten, die Öffnung von Waldland und unbewohnten Inseln mit fragilen Ökosystemen für wirtschaftliche Entwicklung und unkontrollierte Bergbauaktivitäten, die wo immer möglich wie Pilze aus dem Boden schießen werde.

· Eine massive Green New Deal Investitionswelle ist Griechelands beste Chance, die Rezession zu milder. Eine Laufzeitveränderung von existierenden Strukturfonds ist wichtig, aber zudem werden mehr private und öffentliche Mittel benötigt.

· Es gibt einen gewichtigen Widerspruch zwischen dem offiziellen Statement der Führer der Eurozone vom 25. März auf der einen Seite, in dem festgehalten wird, dass „Griechenland ausreichende Maßnahmen unternommen hat, um sein Defizit zu begrenzen“ und „das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen“ verdiene, und aber auf der andere Seite Griechenland keine Kreditbürgschaften zu gewähren und es den IWF-Krediten mit noch schärferen und schmerzhafteren Einschritten zuzutreiben.

· Wir lehnen diesen IWF-Mechanismus ab und bitten immer noch um eine rein Europäische Problemlösung, die auf gemeinsamen Kreditbürgschaften oder Eurobonds basieren sollten, wie kürzlich im Giegold-Bericht über den Zustand der Eurozone des Europäischen Parlamentes dargelegt.

In der Griechenlandkrise erzählen die Zahlen nur einen Teil der Wahrheit:

· Die gesamten Militärausgaben in den letzten 35 Jahren sind fast genau so hoch wie der gesamte Staatschuldenstand.

· Die Olympischen Spiele im Jahr 2004 haben nicht nur explodierende Kosten verursacht, sondern zudem einer Kultur von aufgeblähten Budgets und eskalierenden Kosten in allen Projekten den Weg geebnet.

· Waffen- und Ölimporte zusammen entsprechen 80 % des jetzigen Haushaltdefizits.

· Nach dem ECOFIN-Statement vom 16. Februar, das Griechenland strikte Regeln zur Kontrolle seines Defizits auferlegte, verstoßen Waffenexporte aus anderen EU-Mitgliedsländern nach Griechenland gegen Kriterium 8* des Europäischen Code of Conduct zum Waffenhandel.

· Die prohibitive Drogengesetzgebung in Griechenland (hoch ineffizient) verursacht geschätzte jährliche Kosten von mehreren 100 Millionen Euro.

Die Krise ergbit einen fruchtbaren Boden für Nationalismus, Rassismus und die Suche nach Sündenböcken. Auch wenn die Grünen gestärkt werden – so wie in Ungarn – die extreme Rechte bekommt ein vielfaches mehr an Rückenwind. Je schmerzhafter die Sparmaßnahmen sind, desto schwieriger wird es für die Menschen, die richtigen Lehren zu ziehen. In einer langen und schmerzlichen Rezession werden nur einige wenige Menschen nüchtern genug sein, um über ihren eigenen Anteil an der Schuld für die Krise zu reflektieren.

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Greek Greens (Oikologoi Prasinoi) on the Greek crisis

• We think the Eurozone-IMF mechanism is actually enhancing European integration deficit. It acted as a self fulfilling prophecy, making it even more difficult for Greece to finance its debt on its own. Insufficiently funded, with interested rates too high.
• The IMF involvement makes things worse. Apart from the “usual” recession spiral, we are concerned about prospects such as more than half of the (deficit running) railway network being  closed down, a sell off of public land reserved for new green spaces in cities and towns, forest land and small uninhabited islands with fragile environment being opened to development, uncontrolled mining activities mushrooming wherever possible. .
• A massive GND investment flow is Greece’s best chance to mitigate recession. A shift in time of existing structural funds will be important, but more private and public funds will be needed.
• There is a serious contradiction between the Eurozone leaders’ official statement of March 25th on one hand stating that “Greece has taken sufficient measures to cut its deficit” and deserves “to regain the confidence of the markets”, and on the other refusing to grant loan guarantees to Greece and pushing it to IMF loans with even more painful strings attached.
• Rejecting the IMF mechanism, we are still asking for a purely European solution to the problem, based on common loan guarantees or eurobonds as prescribed by the European parliament in the recent Giegold report on the state of the eurozone.

In the Greek crisis case, the figures are only telling part of the truth:
• Total military spending in the last 35 years is almost as high as the total public debt.
• More than their skyrocketing costs, the 2004 Olympic Games paved the way to bloating budgets and exceeding costs in any project.
• Combined arms and oil imports are equivalent to about 80% of the current account deficit.
• After the Feb 16th ECOFIN statement imposing strict rules on Greece to cut its deficit, massive arms sales to Greece by EU countries violate Criterion 8* of the EU code of Conduct for Arms Sales.
• The prohibitive Greek drug law (highly ineffective) enforcement has an estimated annual cost of several hundred million euros.
The crisis provides a fertile ground for nationalism, racism and searching for scapegoats. Even if the Greens emerge stronger, such as in Hungary, the extreme right emerges even stronger.
The more painful the measures, the more difficult it would be for the people to draw the right lessons. In a prolonged and painful recession only few people will be sober enough to reflect on their own share of blame.

*CRITERION EIGHT

The compatibility of the arms exports with the technical and economic capacity of the recipient country, taking into account the desirability that states should achieve their legitimate needs of security and defence with the least diversion for armaments of human and economic resources

Member States will take into account, in the light of information from relevant sources such as UNDP, World Bank, IMF and OECD reports, whether the proposed export would seriously hamper the sustainable development of the recipient country. They will consider in this context the recipient country’s relative levels of military and social expenditure, taking into account also any EU or bilateral aid.