Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Irland Krise: Europäische Solidarität ist keine Einbahnstraße

Angesichts der hohen Zinsaufschläge auf irische Staatsanleihen erklären der CSU-Gruppenvorsitzende im Europaparlament Markus Ferber und Sven Giegold, Grüne Sprecher für Wirtschafts- und Finanzpolitik im Europaparlament gemeinsam:

Die Lage des irischen Finanzsystems ist äußerst besorgniserregend und treibt griechischen Verhältnissen zu. Irlands Wirtschaftsleistung schrumpft, der Staat leidet unter hohen Zinsaufschlägen auf seine Anleihen und die größte irische Bank steht angesichts milliardenschwerer Spekulationsverluste vor dem Zusammenbruch.

 

Sollte sich die dramatische Haushaltslage in Irland noch weiter zuspitzen und Unterstützung von der EU nötig werden, muss die irische Regierung im Gegenzug Zugeständnisse im Bereich der Steuerpolitik machen. Europäische Solidarität darf keine Einbahnstraße sein.

 

Die Abgeordneten warnen: So könne es nicht weiter gehen: Mit dem Festhalten an einem Körperschaftssteuersatz von gerade einmal 12,5% und der kategorischen Ablehnung von Vorschlägen für eine gemeinsame europäische Bemessungsgrundlage stellt sich die irische Regierung quer. Greift Irland auf den Rettungsschirm zurück, muss eine Verdoppelung dieses Satzes her. Außerdem soll Irland seinen Widerstand gegen eine europäische Zusammenarbeit in der Steuerpolitik aufgeben. Es kann nicht sein, dass Irland schon heute von den gemeinsamen Euro-Stützungsmaßnahmen profitiert, aber den anderen Mitgliedsländern bei der Erhebung von Steuern das Leben schwer macht.

 

Die Kommission arbeitet zur Zeit an einem Vorschlag für eine gemeinsame Bemessungsgrundlage für die Unternehmensbesteuerung in Europa. Eine Veröffentlichung ist für Februar 2012 angekündigt. Wir fordern Steuerkommissar Šemeta auf, diesen Zeitplan konsequent zu verfolgen und sich durch skeptische Stimmen aus Irland nicht abbringen zu lassen. Das Projekt ist sehr wichtig für die Stabilisierung der Haushalte und zur Vollendung des gemeinsamen Marktes in Europa.

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Ireland-Crisis: European solidarity is not a one-way street

 

 

Due to the high interest rate spreads on Irish government bonds Markus Ferber, chairman of the CSU group in the European Parliament, and Sven Giegold, Green Spokesperson for Economic and Fiscal Policy in the European Parliament jointly declare:

 

The situation of the Irish financial system is extremely worrying and is driving towards Greek conditions. Ireland’s economic output shrinks, the state is suffering from high interest rate spreads on its bonds and the largest Irish bank is threatened to collapse after having lost billions in speculative activities.

 

If the dramatic budget situation deteriorated even further and support from the EU became necessary, it is for the Irish government to make concessions in tax policy in return. European solidarity can not be a one-way street.

 

The MPs warn: it cannot go on like this: by adhering to a corporate tax rate of just 12.5% and the categorical rejection of proposals for a European common consolidated tax base (CCTB) the Irish government is blocking the situation. If Ireland needed the European Resolution fund the corporate tax rate has to be doubled. Moreover, Ireland had to give up its opposition to European cooperation in tax policy. It cannot be that Ireland already today benefits from the common measures supporting the Euro but at the same time hampers other member states’ ambitions collecting their taxes.

 

The Commission is currently working on a proposal for a common tax base for corporate taxation in Europe. The launch of a directive is scheduled for February 2012. We call on taxation Commissioner Šemeta to follow this schedule consistently and not get distracted by skeptical voices from Ireland. The project is very important for the stabilisation of national budgets and the completion of the single market in Europe.

Rubrik: Wirtschaft & Währung

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