Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne
„Kommt, wir bauen das neue Europa!“

Nationalpark Senne-Egge-Teutoburger Wald:
Zurecht! BUND verleiht MdEP Elmar Brok die “Rostige Heckenschere”

Pressemitteilung des BUND Herford:

BUND Herford vergibt Umweltpreise zum Nationalpark Teutoburger Wald an CDU-Politiker: „Rostige Heckenschere“ an Elmar Brok, „Eule“ an Landrat Heuwinkel

Hiddenhausen. Anläßlich der Jahreshauptversammlung des BUND im Kreis Herford wurden völlig gegensätzlich Umweltpreise an 2 CDU-Politiker in Zusammenhang mit dem geplanten Nationalpark im Teutoburger Wald verliehen: während Landrat Heuwinkel die volle Zustimmung der Naturschützer erntete, und dafür mit einer handgeschnitzten „Eule“ ausgezeichnet wurde, wurde CDU-Bezirksvorsitzendem Elmar Brok, der ebenfalls zum Gut Bustedt gekommen war, die „Rostige Heckenschere“ für sein Eintreten gegen einen Nationalpark in OWL verliehen, das nach Ansicht des BUND mangelnde Verantwortung für Natur und Schöpfung offenbart.

Die Tatsache, dass Elmar Brok persönlich zum Gut Bustedt gekommen ist, um den Anti-Umweltpreis in Empfang zu nehmen, wurde von den BUND-Aktiven zunächst mit anerkennendem Beifall bedacht. „Laudator“ Karsten Otte, stellv. Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe, begrüßte ihn als erst den 2. Preisträger, der die „Rostige Heckenschere“ persönlich abholt. Ansonsten ging er mit dem CDU-Bezirksvorsitzenden und seinen Äußerungen zum Nationalpark hart ins Gericht: Brok betreibe die Schutzlosstellung von Senne und Teutoburger Wald, um den Randgemeinden Landnahmen für Siedlung und Gewerbe aus dem Naturerbe zu ermöglichen. „Den Bürgerwillen ignorieren die Gegner des Nationalparks, und nicht die Befürworter, wie verschiedene Umfragen gezeigt haben“, führte Karsten Otte aus. Besonders kritisch sei die Äußerung zu betrachten, der Nationalpark sei ein „Luxusprojekt“, dass sich die global gesehen reiche deutsche Gesellschaft auf weit unter 1% ihrer Fläche angeblich nicht leisten könne; das arme Tansania z.B. habe 15% geschützt. Otte postulierte: „Ihre Werthaltung konsequent weitergedacht, wird wohl auch die Serengeti bald sterben müssen!“ Anstatt eine fachliche Entscheidung für ein hochgradig wertvolles Schutzgebiet zu akzeptieren, habe Brok den Naturschutz der Beliebigkeit ausgesetzt, indem er den Nationalpark zur politischen Kampfzone erklärt habe! Die „Rostige Heckenschere“ sieht Karsten Otte als Denkanstoß, um der Verantwortung für die Natur in Zukunft besser gerecht zu werden.

Der CDU-Bezirksvorsitzende Elmar Brok erwiderte die Vorwürfe mit einem Appell an eine Balance zwischen Finanz-, Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik. Im Rahmen dieser Abwägung seien ihm die Ausgaben für einen Nationalpark zu groß, was ihm Kritik an seiner Werthaltung einbrachte. Zudem solle sich der BUND nicht als einzig moralische Authorität darstellen, er plädierte für ein abgewogeneres Bild in seiner Richtung. Ansonsten zeigte er sich nach wie vor nicht geneigt, seine Ablehnung gegen die Nationalparkpläne aufzugeben.

BUND-Kreisgruppensprecher und stellv. Landesvorsitzender Bernd Meier-Lammering verlieh mit einer weiteren Laudatio den Umweltpreis „Eule“ an den lippischen Landrat Friedel Heuwinkel. Erstmals würde ein Umweltpreis außerhalb des Kreises Herford vergeben, dazu erstmals für das gleiche Projekt ein Positiv- und ein Negativpreis und dazu noch an 2 Preisträger aus einer Partei: „Die CDU räumt hier heute schwer ab !“, so Sprecher Meier-Lammering. Landrat Friedel Heuwinkel habe sich in vorbildlicher Standhaftigkeit für den Nationalpark im Teutoburger Wald eingesetzt, trotz aller Widerstände auch aus seiner eigenen Partei. Der Nationalpark im Teutoburger Wald ist nicht nur geeignet einer große Zahl von bedrohten Tier- und Pflanzenarten dauerhaft Lebensräume zu sichern, er schaffe auch Arbeitsplätze, wie das Beispiel Eifel zeige. „Deutschland hat sich im Rahmen des „UN-Übereinkommens zur Sicherung der Artenvielfalt“ verpflichtet, wenigstens 5% der Wälder aus der Nutzung zu nehmen – der Nationalpark Teutoburger Wald ist dabei ein wichtiger Meilenstein“, erläuterte Bernd Meier-Lammering. Er führte weiter aus, dass es erschreckend sei, was sich derzeit z.B. im Naturschutzgebiet Donoper Teich bei Detmold abspiele, wo selbst das Prädikat „NSG“ nicht ausreiche, um viele uralte Bäume vor der Motorsäge in Sicherheit zu bringen. Daher sei der Nationalpark die richtige Lösung. Landrat Heuwinkel sei schon mal öffentlich als „richtiger lippischer Dickschädel“ bezeichnet worden. Bernd Meier-Lammering bestärkte ihn darin: „Ein größeres Kompliment kann es aus meiner Sicht nicht geben“, und wünschte ihm weiterhin viel „Dickschädeligkeit“, um dieses wichtigste aller Naturschutzprojekte in OWL durchzusetzen.

Landrat Heuwinkel bedankte sich in einer sehr persönlichen Rede für die Preisauszeichnung seiner Bemühungen um den Nationalpark im Teutoburger Wald. Er freue sich über die Anerkennung durch den BUND. Als „Kind der Senne“ habe er in den letzten 61 Jahren die Entwicklung der Landschaft verfolgen können, bei sich auf dem Hof in Oesterholz, wie auch in der Umgebung. Er beklagte die Uniformität, die sich mit der zunehmenden Mechanisierung eingestellt habe. Über die handgeschnitzte „Eule“ freue er sich ebenso, wie über das Paar Schleiereulen auf seinem Hof, dass er manchmal abends zu sehen bekomme. Mit den Worten „Für den Nationalpark werde ich weiterhin mein Bestes geben“, schloss Landrat Heuwinkel seine Dankesrede.