Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne
„Kommt, wir bauen das neue Europa!“

Finanztransaktionssteuer: Schluss mit der Doppelzüngigkeit

Zur von EU-Steuerkommissar Algirdas Šemeta geäußerten Ablehnung der Einführung einer Finanztransaktionssteuer in der EU (1), erklärt Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

“Es ist skandalös, dass nachdem nun der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und die französische Finanzministerin Christine Lagarde einen weiteren Vorstoß zur Finanztransaktionsteuer gestartet haben und sich Kommissionspräsident Barroso wiederholt positiv geäußert hat, sein Steuerkommissar Šemeta sich nun erneut gegen diese ausspricht und sich damit zum Büttel vor allem britischer Finanzinteressen macht.

Es ist höchste Zeit, dass der ECOFIN Rat morgen der Kommission ein klares Signal zur Ausarbeitung einer Finanztransaktionssteuer gibt und Barroso dafür sorgt, dass die Kommission liefert. Er muss die Frage zur Chefsache machen und zur Not den widerstrebenden Verantwortlichen in der Generaldirektion Steuer das Dossier aus der Hand nehmen. Eine Finanztransaktionsteuer würde dringend benötigte große Summen in die öffentlichen Kassen spülen und gleichzeitig die Spekulation eindämmen. Auch die Kommission muss sich dieser Erkenntnis stellen. Sie darf nicht weiter Bremsblock sein, sondern muss angesichts des Ausmaßes der Krise endlich auf das Gaspedal treten.”

Anmerkungen:

(1) Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 12. Juli 2010, Seite 13

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Financial Transaction Tax: Time is up for doublespeak

Commenting on EU Taxation Commissioner Algirdas Šemeta opposition to a financial transaction tax (1), Greens / EFA economic and financial spokesman, Sven Giegold (MEP, Germany), said:

“It is absolutely scandalous that after seeing German Finance Minister Wolfgang Schäuble and French Finance Minister Christine Lagarde take the development of a financial Transaction tax a step further, with repeated positive comments from Commission President Barroso, that we should now hear his tax commissioner speak out against the proposals. Commissioner Šemeta is instead acting like a lobbyist for the interests of the British finance industry.

The ECOFIN Council must act tomorrow and give the Commission a clear signal in support of the financial transaction tax, applying pressure to Barroso to ensure such a proposal is provided. He must make this issue a top priority, and if necessary take the dossier out of the hands of the reluctant leaders of the Directorate-General Taxation. A financial transaction tax would raise much needed public funds while reducing speculation. The Commission must act on this knowledge.  We do not need it stepping on the brakes. Rather, given the magnitude of the crisis, we need to finally step on the accelerator.”

Notes to editors:

(1) interview in the Frankfurter Allgemeine Zeitung of 12 July 2010, page 13