Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

Lasst unser Schiff frei! Bündnisschiff Sea-Watch 4 von italienischen Behörden festgesetzt

seawatch kirchenschiff

Liebe Freundinnen und Freunde,

liebe Interessierte,

nachdem unser Bündnisschiff Sea-Watch 4 bei seiner ersten Mission 353 Menschen gerettet hat, wurde es nun von den italienischen Behörden festgesetzt. Seit sieben Tagen darf es den Hafen von Palermo nicht mehr verlassen. Deshalb brauchen wir jetzt Eure Hilfe! Die Sea-Watch 4 ist unser Seenotrettungsschiff im Mittelmeer, das durch eine Resolution des Evangelischen Kirchentags gefordert und von der Evangelischen Kirche Deutschland gemeinsam mit einem zivilgesellschaftlichen Bündnis an den Start gebracht wurde. Zu ihrem ersten Einsatz war die Sea-Watch 4 am 4. August ausgelaufen.

Denn die Begründung könnte fadenscheiniger nicht sein: Der Hauptvorwurf lautet, die Rettung von Menschenleben entspreche nicht der Registrierung des Schiffes. Die Sea-Watch 4 habe zu viele (!) Rettungswesten an Bord, das Abwassersystem sei nicht für die Anzahl der geretteten Personen ausgelegt. Dabei haben die deutschen Behörden erst im Juli das Schiff gründlich inspiziert und bescheinigt, dass es in bestem Zustand und alle Papiere in Ordnung seien.

Immer wieder werden auf diese Weise zivile Rettungsschiffe am Auslaufen gehindert, um ihren Einsatz zu verhindern. Die Sea-Watch 4 ist bereits das fünfte Schiff, das in fünf Monaten festgesetzt oder beschlagnahmt wird! Die Konsequenz dieser Politik ist tödlich. Denn egal ob Rettungsschiffe im Mittelmeer sind oder nicht, fliehen weiterhin täglich verzweifelte Menschen aus Libyen, indem sie die lebensgefährliche Überfahrt über das Meer riskieren. “Alarmphone” meldet allein für die vergangene Woche sechs Bootsunglücke, bei denen insgesamt rund 200 Menschen ertranken. Allein am 21. September starben 111 Menschen, nur 9 Personen konnten glücklicherweise von Fischern gerettet werden.

Die Behinderung der zivilen Seenotrettung muss aufhören. Menschen dürfen nicht im Mittelmeer ertrinken und müssen auf alle Länder in Europa für geordnete Asylverfahren verteilt werden. Mit der Festsetzung unseres Schiffes kriminalisieren die italienischen Behörden nicht nur die Schiffsbesatzung, sondern indirekt auch die Evangelische Kirche Deutschland und ihre Bündnispartner, die die Sea-Watch 4 gemeinsam in den Einsatz gebracht haben. Wir dürfen das nicht stillschweigend hinnehmen. Lasst uns gemeinsam die Freilassung unseres Bündnisschiffes fordern und lautstark ein Zeichen setzen!

Gemeinsam stehen wir hinter der Sea-Watch 4. Gemeinsam sagen wir: Lass unser Schiff frei!

Was jetzt hilft:

  1. Schreibt höflich aber bestimmt E-Mails an Luigi Mattiolo, den italienischen Botschafter in Berlin: segreteria.berlino@esteri.it

Weitere Ansprechpartner*innen in der Botschaft in Berlin und in weiteren Botschaften in Deutschland findet Ihr hier:

https://ambberlino.esteri.it/ambasciata_berlino/de/ambasciata/gli_uffici/gli%20uffici.html 

https://ambberlino.esteri.it/ambasciata_berlino/de/ambasciata/la_rete_consolare 

  1. Schafft Aufmerksamkeit! Teilt in den sozialen Medien die Beiträge von United4Rescue oder postet selbst. Nutzt die Hashtags #FreeSeaWatch4 und #GemeinsamRetten!
  2. Macht den Skandal der Festsetzung zum Thema! Organisiert kreative Aktionen zur Seenotrettung. Durch Info-Veranstaltungen, Konzerte, Gottesdienste und Spendenaktionen, könnt ihr über unser Bündnisschiff informieren und über die zivile Seenotrettung aufklären. Möglichst viele Menschen sollten wissen, was auf dem Mittelmeer geschieht.

Mit verärgerten aber doch hoffnungsvollen Grüßen,

Sven Giegold

P.S.: Italienisch-Deutsches-Englisches Webinar “Finanzierung des Corona-Wiederaufbauprogramms durch Eindämmung von Steuerdumping und Geldwäsche” mit den Finanzministern Scholz (Deutschland) und Gualtieri (Italien) am Mittwoch, 30.9.2020 19-20 Uhr. Gleich hier anmelden!