Sven Giegold
Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament

Sprecher Europagruppe Grüne

EU-Kommission beschließt neue Schwarze Liste: Echter Fortschritt im Kampf gegen Geldwäsche

Die EU-Kommission hat heute eine neue Schwarze Liste vorgestellt, auf der 23 Staaten mit hohem Risiko für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verzeichnet sind. Bislang umfasste die EU-Liste lediglich zwölf Länder, die schon auf der Liste der Financial Action Task Force (FATF), einer 1989 gegründeten internationalen Anti-Geldwäsche-Organisation, stehen. Damit geht die EU beim Kampf gegen Geldwäsche erstmals eigenständig weiter als die zähen Kompromisse in der FATF. Das EU-Parlament, allen voran die Grünen, hatten wiederholt angemahnt, dass die Kommission eine eigene Bewertung von Drittstaaten durchführen solle. Die EU-Geldwäscherichtlinie gibt der Kommission den Auftrag dazu.

Banken und Firmen in der EU müssen ihre Geschäftspartner in Hochrisikoländern erheblich intensiver überwachen. Zudem müssen die betroffenen Staaten erhebliche Anstrengungen aufbringen, um ihre finanzielle Sauberkeit nachzuweisen und so wieder von der Liste gestrichen zu werden.

Dazu sagt der Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament, Sven Giegold:

“Die Liste ist ein scharfes Schwert gegen Geldwäsche. Für den Kampf gegen schmutziges Geld ist das ein echter Fortschritt. Geldwäsche stellt eine enorme Gefahr für unsere Sicherheit dar, es fördert Korruption und Kriminalität in Europa. Die EU-Kommission hat jetzt eine deutlich verbesserte Liste vorlegt, die auch Panama, Saudi-Arabien und die US-Jungferninseln enthält. Die EU-Kommission hat dem enormen Lobbydruck mancher Regierungen standgehalten und eine doppelt so lange Liste vorgelegt. Die Liste ist lang, aber noch nicht komplett. Einige der größten Waschmaschinen für schmutziges Geld fehlen noch. Dazu gehören Russland, London und Aserbaidschan.

Die EU-Kommission muss transparent machen, weshalb sie 23 Länder auf die Liste genommen hat und andere nicht. Ohne Transparenz muss sich die EU-Kommission den Vorwurf gefallen lassen, dass die Liste das Ergebnis eines politischen Kuhhandels ist. Die Kommission hat Drittstaaten nach objektiven Kriterien bewertet, daher kann sie bei einer Veröffentlichung der Bewertungen nur gewinnen.

Wir dürfen uns nicht scheuen, das Problem von Geldwäsche innerhalb Europas anzusprechen. Es gab riesige Skandale im Zusammenhang mit Geldwäsche in Ländern wie Lettland, Dänemark, Malta und Zypern. Deshalb sollte die EU-Kommission die Prüfung von EU-Ländern beschleunigen und sicherstellen, dass die europäischen Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche in allen Mitgliedstaaten vollständig umgesetzt werden.”

 

EU-Liste der Drittländer mit hohem Geldwäscherisiko (Länder, die auch auf der FATF-Liste stehen, sind gesondert gekennzeichnet)

High-risk third countries

(1) Afghanistan,

(2) American Samoa,

(3) The Bahamas, (FATF)

(4) Botswana, (FATF)

(5) Democratic People’s Republic of Korea, (FATF)

(6) Ethiopia, (FATF)

(7) Ghana, (FATF)

(8) Guam,

(9) Iran, (FATF)

(10) Iraq,

(11) Libya,

(12) Nigeria,

(13) Panama,

(14) Pakistan, (FATF)

(15) Puerto Rico,

(16) Samoa,

(17) Saudi Arabia,

(18) Sri Lanka, (FATF)

(19) Syria, (FATF)

(20) Trinidad and Tobago, (FATF)

(21) Tunisia, (FATF)

(22) US Virgin Islands,

(23) Yemen. (FATF)

Nicht auf der EU-Liste steht Serbien, das sich aber auf der FATF-Liste befindet: http://www.fatf-gafi.org/countries/#high-risk

——-

Verpflichtung der EU-Kommission zur Erstellung einer EU-Liste von Hochrisikoländern in der EU-Geldwäscherichtlinie

Third-country policy

Article 9 of the EU-Anti

  1. Third-country jurisdictions which have strategic deficiencies in their national AML/CFT regimes that pose significant threats to the financial system of the Union (‘high-risk third countries’) shall be identified in order to protect the proper functioning of the internal market.
  2. The Commission is empowered to adopt delegated acts in accordance with Article 64 in order to identify high-risk third countries, taking into account strategic deficiencies in particular in the following areas:

(a) the legal and institutional AML/CFT framework of the third country, in particular:

(i) the criminalisation of money laundering and terrorist financing;

(ii) measures relating to customer due diligence;

(iii) requirements relating to record-keeping;

(iv) requirements to report suspicious transactions;

(v) the availability of accurate and timely information of the beneficial ownership of legal persons and arrangements to competent authorities;

(b) the powers and procedures of the third country’s competent authorities for the purposes of combating money laundering and terrorist financing including appropriately effective, proportionate and dissuasive sanctions, as well as the third country’s practice in cooperation and exchange of information with Member States’ competent authorities;

(c) the effectiveness of the third country’s AML/CFT system in addressing money laundering or terrorist financing risks.

  1. The delegated acts referred to in paragraph 2 shall be adopted within one month after the identification of the strategic deficiencies referred to in that paragraph.
  2. The Commission, when drawing up the delegated acts referred to in paragraph 2, shall take into account relevant evaluations, assessments or reports drawn up by international organisations and standard setters with competence in the field of preventing money laundering and combating terrorist financing.

———-

Rubrik: Mein Europa

Bitte teilen!