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Frühjahrswanderung im Weserbergland im Kreis Höxter – Diskussion in Doerentrup (Lippe)


Frühjahrswanderung im Weserbergland im Kreis Höxter

Meine Wandersaison ist eröffnet! Mit ca. 30 MitwanderInnen wagte ich bei kalt-feuchtem und nur wenig sonnigem Wetter eine erste Runde im Weserbergland des Kreises Höxter.

Ein Teil der Wandergruppe

Ein Teil der Wandergruppe

Am  Hang des Wesertals dominieren ausgedehnte Buchenwälder die Landschaft.

Blick auf das Wesertal bei Höxter

Blick auf das Wesertal bei Höxter

Der Buchenbestand ist wegen Trockenheit und Nährstoffmangel viel lichter als in den klassischen Hallenbuchenwäldern, so dass die Bodenvegetation reichhaltiger ist.

Schlüsselblume

Schlüsselblume

Frühblüher wie Schlüsselblume, Leberblümchen, Buschwindröschen, Wald-Veilchen und Seidelbast erfreuten uns heute schon, während sich in einigen Wochen wegen verschiedener Orchideenarten ein Wanderbesuch lohnen dürfte.

Seidenblast

Seidenblast

Im Wesertal dagegen gibt es ausgedehnte Gewässer in den Auenbereichen mit einem reichen Amphibienvorkommen, darunter seltene Arten wie der Kammmolch. Sehr schön auch der nur kurze Zeit zu hörende Gesang der Misteldrossel. Geschützt werden die Wälder wie auch Teile des Buchenwaldes durch FFH-Gebiete der EU.

Naturerlebnispfad Orchideenbuchenwald

Naturerlebnispfad Orchideenbuchenwald

Gerade der Kreis Höxter hat jedoch bei aller Naturschönheit ebenfalls mit den Problemen vieler entlegener ländlicher Räume zu kämpfen.  Die nächste Großstadt ist weit entfernt. Es gibt nur wenig Industrie mit starker Wertschöpfung. In den nächsten 10 Jahren ist mit einer Abnahme der Bevölkerung vom mindestens 10% zu rechnen. In vielen Straßenzügen, v.a. auf den Dörfern, leben fast nur noch ältere Menschen. Die Infrastruktur bricht weg. Es gibt keinen Weg gegen einen solchen Bevölkerungsrückgang anzukämpfen. Dieser Wandel braucht vielmehr Gestaltung durch die Politik und mehr noch durch die ganze Gesellschaft. Es gilt die daraus folgenden Probleme anzugehen, aber auch die Chancen zu nutzen.

Das Ende des dreigliedrigen Schulsystems wegen zurückgehender SchülerInnenzahlen kann das Schulsystem voranbringen und ländliche Räume zum Schulpionier in Sachen Gemeinschaftsschule machen. Die Kooperation zwischen Ärzten kann die Versorgungsqualität verbessern im Vergleich zu vielen Einzelpraxen. Vor allem jedoch ist die zurückgehende Zersiedelung der Landschaft eine Chance für die Natur, aber auch für ihre verträgliche Nutzung.

Im Kreis Höxter gründete sich eine Regionalvermarktung „KulturLand Kreis Höxter“, die regionale Produkte vermarktet. Unter http://www.erlesene-natur.de finden sich weitere Informationen.  Ein breiteres Projekt „Natura 2000 – Naturerleben im Kulturland Kreis Höxter“ wird von EU und Land gefördert, u.a. aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Das Projekt wurde von der Landschaftsstation im Kreis Höxter mitinitiiert, deren Vorsitzender  Josef Jakobi selbst bei der Wanderung dabei war. Er ist auch Gründer der Uppländer Bauernmolkerei (http://www.bauernmolkerei.de), die gesunde Produkte aus ökologisch produzierter Milch zu fairen Preisen herstellt (derzeit 39 ct / Liter). Jakobis Hof liegt ebenfalls in Borgentreich in der Nähe von Höxter.

Regionalentwicklungsaktivist Josef Jakobi

Regionalentwicklungsaktivist Josef Jakobi

Das Projekt fördert aber auch Naturerleben und naturverträglichen Tourismus. Am Weserhang entstanden Natur-Lehrpfade und dazugehörige informative Faltblätter.  Außerdem arbeitet die Region EU-gefördert am Geschichtstourismus. Mit dem Herzstück des herrlichen Kloster Corvey präsentiert sich die Gegend als „Klosterregion“.  Dazu passt auch die fast vollständig erhaltene Stadtmauer von Höxter.

Als folgenschwerer Fehler erweist sich für die Region, dass Grüne Vorschläge zur Einrichtung eines Nationalparks von den großen Parteien abgeschmettert wurden. Ebenso unsinnig ist, die B 83 bei Höxter zu verlegen. Damit würde in ein FFH-Gebiet eingegriffen, dessen naturverträgliche Nutzung durch Tourismus gerade durch öffentliche Gelder gefördert wird.  Straßenbau jenseits von sehr begrenzten Ortsumfahrungen verschlingt Millionen und bringt langfristig für die Region wenig außer langfristige Naturzerstörung – hier in den Weserauen.

Die Wanderung zeigt welche Chancen für wirtschaftliche und ökologische Entwicklung in einem Grünen New Deal gerade für ländliche Räume stecken.

Diskussion in Dörentrup (Kreis Lippe)

„Die Folgen der Finanzkrise für ländliche Räume und die Chancen des Grünen New Deal“

Der Norden des Kreises Lippe hat viele ähnliche Chancen und Probleme wie die Gegend um Höxter. Die Diskussion nach meinem Vortrag zu Chancen ländlicher Räume durch den Grünen New Deal folgte eine lebendige Diskussion zu dessen Umsetzung in der Region.

vl.n.r. LandtagskandidatThomas Hinze , Sven Giegold MdEP, Werner Loke Sprecher Bündnis 90 / Grüne KV Lippe, Ute Koczy MdB

vl.n.r. Landtagskandidat Thomas Hinze , Sven Giegold MdEP, Werner Loke Sprecher Bündnis 90 / Grüne KV Lippe, Ute Koczy MdB

Schon dem flüchtigen Betrachter fällt ins Auge, dass die Zahl der Windräder und Solarenergieanlagen in der Region noch stark steigerungsfähig ist.  Die Diskussion über die Gründe förderte einiges zu Tage. Zum einen sind viele Menschen in der Region sehr bodenständig, einige Anwesende meinten etwas starrsinnig. Neues brauche hier seine Zeit. Das würde auch den Widerstand vieler Akteure in der Politik hier stärker machen als andernorts. So gibt es hier nicht nur Bürgerinitiativen, die sich um das Landschaftsbild sorgen, sondern auch Parteien- und Verwaltungsvertreter in Sparkassen sowie Genossenschaftsbankvorstände, die die Finanzierung von Erneuerbaren-Projekten behindern. Ebenso ist die Genehmigungspraxis  in einigen Gemeinden sehr restriktiv. Dazu tragen auch Naturschutzbedenken bei, die jedoch oft dem Sankt Florian-Prinzip folgen.  Denn der Verzicht auf die intensive Nutzung erneuerbarer Energien bedeutet viel größeren Verlust von Biodiversität durch die Folgen des Klimawandel andernorts und zu späterer Zeit.

Mülltrennung in Doerentrup (Lippe)

Mülltrennung in Doerentrup (Lippe)

Die Chancen des starken Ausbaus der Erneuerbaren zeigen sich u.a. am Veranstaltungsort Dörentrup. Gerade hier kommt dank der Windräder vor Ort ein erklecklicher Teil der Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde aus den Erneuerbaren und ersetzt teilweise die fehlende Industrie. Nachgerade absurd ist, wenn Naturschutzauflagen zum Schutz des Roten Milan Windanlagen dann genehmigungsfähig machen, wenn sie weiträumig mit Maismonokulturen umgeben werden, damit die Gegend für die Vögel unattraktiv wird.

Ein gelungenes Beispiel für nachhaltige Regionalentwicklung ist die Förderung alter Nutztierrassen in Dörentrup. Unter dem Motto „dynamisch, tierisch, gut“ beteiligen sich 50 Mitglieder des Vereins „Dorf der Tiere“ an  der Haltung oder Unterstützung von seltenen Nutztierrassen (http://www.dorf-der-tiere.de/). Drumherum gibt es ein buntes Veranstaltungsprogramm. Bedauerlich ist allerdings, dass die Aktivitäten v.a. auf ehrenamtlichen Schultern ruhen und einige der NutznießerInnen z.B. im Tourismus nicht so recht bereit sind, sich finanziell oder arbeitsmäßig zu beteiligen.

Spürbar sind auch die Auswirkungen des WestLB-Skandals. Obwohl das Land NRW und der Bund die Sparkassen vom größten Teil der WestLB-Verluste freigestellt haben, werden in 2011 die Gewinnzuweisungen der örtlichen Sparkassen in die die kommunalen Haushalte ausbleiben. Das alleine wird 5-6 Mio. € kosten. Weit mehr als die 2-3 Mio. € aus EU-LEADER-Geldern, die in vier Gemeinden des nördlichen Landkreises Lippe fließen.

Eine große Chance für die Region ist weiterhin ein Nationalpark Teuteburger Wald-Eggegebirge. Im Kreis unterstützen inzwischen alle Parteien außer der FDP das Vorhaben. Die FDP erweist sich damit als Sprachrohr des Fürsten zur Lippe, der großen Adelswald-Besitz im geplanten Nationalparkgebiet hat. Dass er seine privatwirtschaftlichen Interessen über die Interessen der Region stellt, ist angesichts der Geschichte des Landbesitzes höchst fragwürdig. Das Verhalten der FDP ist dagegen wieder einmal entlarvend.