Sven Giegold
Spitzenkandidat von Bündnis 90 / Die Grünen für die Europawahl

Sprecher der Europagruppe Grüne
„Kommt, wir bauen das neue Europa!“

Süddeutsche: DWS und Union Investment zocken Anleger bei Fondsgebühren ab

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Über Gebühr

Die Fondsgesellschaften Union Investment und DWS greifen bei deutschen Anlegern zu

Frankfurt – Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Diesen Satz bemüht nicht nur die Deutsche Bank, sondern die gesamte Finanzbranche. Die Zeiten, in denen Anleger übers Ohr gehauen werden, sollen angeblich vorbei sein, beteuert die Branche. Doch während die Fondstochter der Sparkassen, die Deka, und die Fondstochter des Versicherungskonzerns Allianz, Allianz Global Investors, den Satz beherzigen, zeigen sich zwei große Gesellschaften unbeirrt: Die Deutsche-Bank-Tochter DWS und die Fondstochter der Genossenschaftsbanken, Union Investment. Über ein Schlupfloch in Luxemburg umgehen sie eine Regelung der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Es geht dabei um die sogenannte „Performance Fee“. Die Fondsgesellschaften berechnen den Anlegern eine „Erfolgsgebühr“, wenn der Fonds einen bestimmten Vergleichswert schlägt – etwa wenn ein Aktienfonds bessere Renditen abwirft als der Leitindex Dax. Der Trick dabei: Die Anleger zahlen zusätzlich, wenn sich der Fonds gut entwickelt, sie bekommen aber nichts zurück, wenn es schlecht läuft. Für die Fonds ist das lukrativ: Sie schneiden bei jedem kurzfristigen Erfolg mit. Dadurch werden riskante Strategien belohnt.

„Die Performance Fees belohnen selbst den Zufallserfolg in einem Jahr, ohne den Misserfolg im nächsten Jahr zu bestrafen. So wird hohe Volatilität, also Risiko für den Anleger, zur Gebührendruckmaschine für den Anbieter“, sagt Sven Giegold. Der Grünen-Abgeordnete hatte versucht, im Europäischen Parlament über eine Richtlinie den Fonds einen Riegel vorzuschieben, war aber in einer Abstimmung knapp gescheitert. Aber auch die deutsche Finanzaufsicht hat diesen Missstand erkannt und deswegen im Juni die Abzocke eingeschränkt: Die Anbieter müssen jetzt Misserfolg und Erfolg fünf Jahre lang aufrechnen. Doch die Regel gilt nur für Fonds, die in Deutschland aufgelegt sind – nicht für solche, die in Luxemburg aufgelegt sind.

Deka und Allianz Global Investors haben sich nun entschieden, die Regeln freiwillig auch für Fonds im Ausland anzuwenden, wie beide Häuser der Süddeutschen Zeitung bekannt geben. Nicht jedoch DWS und Union. Sie nutzen das Schlupfloch über Luxemburg weiter. Der SZ sagen sie, dass sie sich in Deutschland an die Regeln halten. Sie sehen aber offensichtlich keine Notwendigkeit, die Kunden mit ausländischen Fonds gleichzubehandeln. Angeblich wollen sie auf eine europäische Regelung warten, die in den nächsten Jahren kommen soll. Nur: Dahinter dürfte ein handfestes ökonomisches Interesse stecken. Denn pro Fondshaus steht nach Informationen aus Finanzkreisen jährlich ein „mittlerer zweistelliger Millionenbetrag“ auf dem Spiel. Solange es noch geht, werden die Kunden also abkassiert.

Es geht um mehr als eine Randgruppe: Von insgesamt 44 Aktienfonds für Kleinanleger werden bei Unioninvest 28 in Luxemburg verwaltet. „Bei unserer Untersuchung schienen alle Fonds, die nicht passiv einen Index nachbilden, eine Performance Fee nach altem Muster zu verlangen“, sagt Grünen-Abgeordneter Giegold. Er will das Schlupfloch durch eine europäische Regel stopfen. „Hoffen wir auf die deutsche Bundesregierung. Noch kann sie auf europäischer Ebene dafür sorgen, dass es gemeinsame Regeln zu Fondsgebühren gibt.“

Der Branchenverband BVI ist durchaus gewillt, an einer Regelung mitzuarbeiten. „Wir halten es für richtig, die Methoden zur Erhebung von Performance Fees zu regeln. Schon in den Gesprächen mit der Bafin über die Kostenklauseln haben wir betont, dass eine europäische Regelung geboten ist“, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Für jene Anbieter, die sich freiwillig an die neuen Regeln auch im Ausland halten, ist es ein Ärgernis, dass es die Konkurrenten nicht tun: Denn wenn der Eindruck entsteht, dass Fondshäuser ihre Kunden unfair behandeln, fällt das auf die ganze Branche zurück. Andrea Rexer

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dws-und-unioninvest-fondsgesellschaften-zocken-kunden-ab-1.1851147

Rubrik: Mein Europa

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